Kopfbereich

Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation Direkt zum Kontakt

Auswandern nach Uruguay

Auswandern nach Uruguay

Berlin: Donnerstag 24.05.18 04:32 | Montevideo: Mittwoch 23.05.18 23:32

Inhalt

Hüte Dich vor Sturm und Wind und Deutschen, die im Ausland sind!

Geschrieben von Ralph   
Erstellt: Freitag, 22. Mai 2009

"Der schlimmste Feind, den Sie im Ausland haben können, ist der Deutsche an sich."

Sprüche dieser Art hört man immer wieder und so scheinen sie auch ihre Berechtigung zu haben.

Ich bin Deutscher und im Ausland aufgewachsen und denke,
dass ich es mir daher erlauben darf,
eine Abhandlung über das Leben von und mit Deutschen im Ausland zu verfassen.

Meine Eltern waren im Diplomatischen Dienst und so habe ich einige Geschichten gehört und gesehen.
Versuchen wir diese Erfahrungen, die ich machen durfte, auf Uruguay und Südamerika zu übertragen.

Ein Neueinwanderer

fühlt sich anfangs unsicher, einsam, hat keine Freunde, keine Vertrauten.
Kann die Landessprache nicht, kennt Mentalität, Gepflogenheiten und die Tabuzonen nicht.
Er muss gleichzeitig auch viele wichtige Dinge erledigen.
Wohnsitz wählen, Schule auswählen, Immobilie mieten oder kaufen.
Auto kaufen. Telefon, Internet, uvam.
Er hat endlos viele Fragen, wie ein kleines Kind.
Da die meisten Auswanderer nicht so viel Geld haben,
dass das Thema Geld vollkommen unwichtig wäre,
werden als Auswanderungsländer meist Länder bevorzugt,
in denen man sich nicht nur geringere Heizkosten und besseres Wetter,
sondern auch bessere Kaufkraft erhofft.
Wie toll: Sie werden quasi über Nacht "reicher".
Sie misstrauen den "bösen" Einheimischen, die einem so spanisch vorkommen;
möglicherweise auch den "bösen" Einwanderungshelfern und stürzen sich in ihrer Not auf jeden,
der Deutsch spricht (oder besser ist), in dem Land lebt und ihnen Kontakt gestattet.

Der Fortgeschrittene

Jetzt welchseln wir den Blickwinkel ein wenig und sehen uns einen an,
der schon ein wenig im Land lebt und sich noch sehr gut an seine Zeit als Anfänger erinnert,
selbst noch nicht genug gute Freunde hat,
der daher selbstlos und ohne jede Notwendigkeit Neuanfängern hilft:

Immer wieder dieselben Fragen. Immer wieder dieselben Antworten.
Immer wieder dieselben Gegenfragen.
Immer wieder dieselben daraus resultierenden Diskussionen, die sich alle gleichen,
wie ein Ei dem anderen.
Man kommt sich wie der King vor, weil man den Ahnungslosen so wahnsinnig viel erzählen kann,
Sie einem auch so geduldig zuhören,
spricht selbst noch kaum ein Wort in der Landessprache
(Ausser: "Una Cervesa, por favor")
Und hat seltsamerweise irgendwie das dumpfe Gefühl,
dass die neuen Freunde einen nur zur Informationsgewinnung (ge/mis)brauchen.

Endlich ein klein wenig sesshaft

Noch ein Schritt weiter:
Man kann Blutegel und Bessere ein wenig differenzieren.
Man hat erste Freunde gefunden und verbringt seine Zeit mit diesen.
Alt Eingesessene, seien es nun Deutsche oder Einheimische - das spielt zunehmend keine Rolle mehr - die sind wesentlich interessantere Gesprächspartner, als die Neuankömmlinge,
die Eingesessenen helfen einem - im Gegensatz zu den frischen Einwanderern - weiter.
Man hat keine Zeit mehr für Anfänger.
Ausser: !!!!! Nun raten Sie mal !!!!!

Langfristige Einnahmen

Nächster Schritt:
Möglicherweise ist man kein Rentner oder vermögend,
diese Gruppe betrachten wir jetzt nicht weiter,
sondern wir betrachten diejenigen, die sich ihr Geld mit Arbeit besorgen müssen.
Sie leben in einem Land mit niedrigen Lohnkosten und
die Masse der Einheimischen hat absolut kein Geld für Luxus.
Wie Scheisse: Sie werden quasi langsam ärmer.
Die Idee mit dem Campingplatz, dem Hotel, dem Internetcaffee, dem Webblog, dem deutschen Restaurant, dem deutschen Brot, der deutschen Wurst, das funktioniert möglicherweise in Mallorca,
aber normalerweise nicht in Südamerika. Au weia, was nun?
Nun: Sie haben eine tolle Idee:
Sie könnten Immobilienmakler oder Einwanderungshelfer werden.
Eine super Idee:
Sie arbeiten mit deutscher oder zumindest englischsprachiger Kundschaft, denen das Geld manchmal recht locker hängt.
Leider werden Sie aber relativ bald feststellen, dass das auch nichts bringt.
Die Einwanderungshelfer, die Ihnen viele Jahre voraus haben, die leben auch nicht gerade wie die Maden im Speck.
Sie wollen sich als relativer Frischling davon ein Stück abschneiden?
Sie wollen mit einheimischen Immobilienmaklern konkurieren?
Sind Ihre Kenntnisse der Mentalität und der Gepflogenheiten ausreichend?
Ihr (zwingend notwendiges) Vitamin B ist vorhanden?
Ach ja: Was macht übrigens Ihr Spanisch?

Jetzt toppen wir das ganze noch einmal,
indem wir eine ganz andere Art der Betrachtung wählen:

Wir Auswanderer sind doch Alle nicht normal.

Normal sind die, die sich aus Deutschland nicht wegtrauen, weil die den Mut dazu gar nicht haben oder sozial integriert sind. Wir, die wir das hier lesen, haben Mut und gute Gründe. Deutschland langweit uns und/oder nervt uns. Deutschland hat keine Zukunft. Die Gesetze, mit denen können wir nicht viel anfangen, sie sind unfair, wir haben keine nennenswerte soziale Bindung zu Deutschland. Also machen wir uns auf den Weg in´s Ausland. Diese Affinität haben wir wohl alle gemeinsam.

Gute Auswanderer

lassen es damit Gut sein. Haben keine Scherben in ihrer Vergangenheit in Deutschland hinterlassen, haben in Deutschland vor der Abreise korrekt aufgeräumt und sich die Option nach Deutschland zuzückzugehen offengehalten, wenn sie es denn möchten.

Schlechte Auswanderer

Haben keine Möglichkeit nach Europa zurückzukehren. Sie zahlten keinen Unterhalt für ihre Kinder und/oder haben Schulden beim Finanzamt oder schlimmere Dinge sonstwo hinterlassen. Ihr Frust und Hass gegen Deutschland steigert sich. Sie müssen in Südamerika bleiben und leben - ob sie wollen oder nicht.

Südamerika, wie es auch ist...

Nun seht Euch Geschichten aus dem realen Leben Südamerikas an, wie z.B. diese.

Politiker halten sich minderjährige «Hausmädchen». Jungfrauen werden versteigert. Teenager prostituieren sich. Eine neunjährige Sexsklavin. Polizeichef aus Chaves, lässt sich filmen beim Geschlechtsverkehr mit einer 13-Jährigen auf Billiardtisch.

Vorläufiges Fazit 

Tendenziell ist da schon etwas dran, an dem Spruch: "Hüte Dich vor Sturm und Wind und Deutschen, die im Ausland sind!"

Aber:

Das gilt für viele Andere auch:
Franzosen <-> Franzosen
Briten <-> Briten
AMIs <-> AMIs
Polen <-> Polen
Türken <-> Türken
usw usf.
Und das gilt selbstverständlich auch für
Uruguayos <-> Uruguayos
Paraguay, Brasilien, Argentinien, Russland, ex-Yugoslavien, Armenien, Bulgarien (Liste kann beliebig erweitert werden)

Endgültiges Fazit

Vor allem gelten diese Sprüche
für den Umgang mit offensichtlich dubiosen Gestalten,
die man überall findet,
wenn man in der scheinbaren Not,
genau jenen die Füsse leckt,
die selbst in der Not stecken,
man gleichzeitig deren suspekte Vergangenheit und
deren skirille Sprüche akzeptiert,
weil man glaubt,
diese Leute in der Zukunft möglicherweise noch gebrauchen zu können.

Der Einwanderer, der sich auf bewusst unechter Freundschaftsbasis  mit unechten Freunden umgibt, um Geld für einen Einwanderungshelfer zu sparen, der muss sich nicht wundern, wenn er auf "Freunde" trifft, die keine sind.

Beide ziehen sich geradezu magisch an.

Ich jedenfalls habe in Südamerika gute Freunde,
Deutsche und Südamerikaner,
auf die ich mich 100% verlassen kann.

Und genauso kenn ich ich Deutsche, Österreicher, Schweizer und Südamerikaner,
die ich nicht mit dem Arsch mehr anschauen würde.
Einige davon sind übrigens aus Paraguay geflüchtet.
Einige deshalb, weil sie dort soviel Mist gebaut haben,
dass Sie sogar in Paraguay dafür verfolgt werden.

 LG Ralph

Kommentar von pappisch, 24. Mai 2009:

Hola Ralph,
besser kann man es nicht ausdrücken. Sehr gut geschrieben. Auswandern ist nicht so einfach. Man gibt viel auf und lässt viel zurück, man weiss nicht was einen erwartet.
Aber leider hat man in dem neuen Land auch viele Neider. Warum eigentlich????
Ich / Wir können nur (bis jetzt) von PY sprechen, da sind viele der s.g. Landsleute leider so, daß sie dir den Dreck unter den Nägeln nicht gönnen, vielleicht weil man etwas aufgebaut hat, wo sie vor Langeweile nicht wissen was sie tun sollen. Viele meinen sie haben das dicke Geld, (hier gilt der alte Spruch: Über Geld spricht man nicht, man hat es)und müssen / wollen nichts mehr tun. Aber nach einiger Zeit merken sie das es sehr langweilig ist, sie aber keine Ideen oder Triebe haben etwas zu tun. Also wird alles was diejenigen, die etwas versuchen / geschafft haben niedergemacht, auf Teufel komm raus. Daher war auch meine Frage, wie ist es mit den Deutschen in Uruguay, trifft man dort das gleiche "Volk" an, oder sind die dort lebenden Deutschen eine "Gemeinschaft" die sich auch gegenseitig helfen.
Die "Gemeinschaft" hier, besteht aus Deutschen, die ihrer täglichen Arbeit nachgeht, da hilft man sich gegenseitig, der Rest ist leider wie oben erwähnt. Eigentlich unverständlich und auch traurig.

Holger

"Die Raute im Herzen" 

Kommentar von =MaBu=, 25. Mai 2009:

Hallo Holger,

nach Uruguay kommen die verschiedensten Leute. Da sind z.B. die Individualisten, Querdenker und Künstler. Die gehören zu den interessanteren Persönlichkeiten. Sie halten sich fern von Klatsch und Tratsch, und im Rudel wird man sie auch nie antreffen. Sie wollen einfach in Ruhe ihr Leben leben, und die meisten sind auch irgendwie aktiv, geschäftlich und/oder anderweitig. Mit anderen Einwanderern wollen sie meist wenig zu tun haben.

Dann gibt es die Steuerflüchtlinge, die in ihrem Herkunftsland beträchtliche Steuerschulden hinterlassen haben und dem Finanzamt nach Uruguay entwischt sind. (Uruguay liefert bei Steuerschulden nicht aus.) Die lassen den lieben Gott einen guten Mann sein, genießen ihr Geld oder was sie davon retten konnten (sofern sie ihren Besitz nicht Anderen überschrieben haben, z.B. ihren Ehefrauen, die dann damit durchgegangen sind). In der Regel sind diese Leute unternehmerische Talente und machen auch in Uruguay irgendwelche Geschäfte.

Dann gibt es die Rentner, die hier einfach eine ruhige Kugel schieben und in ihrem letzten Lebensabschnitt noch einmal was Schönes erleben wollen, fern von dem Stress und der Altenverachtung in ihrem Herkunftsland.

Dann gibt es die Entenklemmer und Knauser, die in ihrem Herkunftsland mit ihrem relativ knapp bemessenen Geld kaum über die Runden kommen und denken in Uruguay seien sie mit ihren Dollars und Euros die Kings. Das ist eine unangenehme Spezies. Sie sind dauernd am Meckern, finden so gut wie alles beschissen und natürlich zu teuer.

Eine weitere Gruppe, bei weitem nicht die kleinste und mit der vorgenannten verwandt, bilden die abgewrackten Existenzen und Querulanten, die aus ihrem Leben nichts gemacht haben. Meistens beherrschen sie die Landessprache nicht, sind notorische Nörgler und Besserwisser, konsumieren Unmengen von Alkohol, haben nichts zu tun und verbringen ihre Zeit damit über Andere herzuziehen. Nicht selten treten sie im Rudel auf, wobei dann über diejenigen gelästert wird, die nicht zu ihrer bzw. zu einer anderen Horde gehören.

Dann gibt es noch die Lebemänner, die von frustrierten Emanzen und alten Schachteln die Schnauze voll haben und sich hier gerne mit 20, 30 oder auch 40 Jahre jüngeren Partnerinnen vergnügen.

Kommentar von Ralph, 27. Mai 2009:

Hallo Holger,

Danke für das Kompliment bzgl. "Sturm und Wind".
Ich brauche ein wenig Zeit für eine Antwort auf Deine neue Frage,
die ist sehr schwierig zu beantworten,
zumal Du dir scheinbar auch noch widersprichst.
Einerseits fragst Du nach "das gleiche Volk", kurz darauf "da hilft man sich gegenseitig".

Ähnlich kompliziert ist das auch in Uruguay.
Bzw: Sagen wir besser: Grundsätzlich mit Deutschen.
Ich schreibe im o.g. Artikel:
"Deutsche sind keine besseren oder schlechteren Freunde oder Betrüger als andere".
Dazu stehe ich auch.
Aber: Irgendwie scheinen Deutsche grundsätzlich ein Kommunikationsproblem zu haben.
(welches sich in Paraguay und auch in Uruguay möglicherweise multipliziert)
Ich denke, dass sich Deine Frage darauf bezieht...
Und versuche sie zu beantworten.
Klatsch und Tratsch und "beleidigt sein" und Beleidigungen...
Ich denke schon seit Jahren darüber nach, ohne eine Antwort zu finden.
Meistens kann ich dann die Wichtigkeit einer Antwort für mich selbst verdrängen.
Aber momentan ist dieses Thema für mich wieder einmal sehr akut und auch belastend.
Was ich jetzt schreibe, das ist eigentlich einen neuen Artikel wert,
ich habe nur (noch) keine Antwort auf meine eigenen Fragen (welche auch Deine sind).
Morgen werde ich einen Ami, der in Deutschland aufgewachsen ist aufsuchen,
weil ich seine Antwort auf meine Frage suche:
"Warum Amis im Internet konstruktiv kommunizieren, während Deutsche destruktiv kommunizieren?"
Ich bin seit über 20 Jahren regelmässig im Netz.
Damals dachte ich:
Anfangs hat jeder Probleme mit dem neuen Medium,
Amis sind den Deutschen einfach nur ein paar Jahre voraus.
Aber inzwischen habe ich den Eindruck:
Nicht nur die Amis sind immer noch weit cooler und zivilisierter,
auch die Latinos sind es (normalerweise) garantiert.
Die Deutschen lernen es wohl nie.
Was geht da ab?
Ich wollte immer ein friedliches, neutrales Forum, wie das vom Southron.
Es geht nicht.
Deutsche wissen immer Alles besser,
können die Meinung von Zweiten möglicherweise schlucken,
aber die von Dritten sicher nicht akteptieren -
und brüllen Ihre Einfaltigkeit als ultimative Wahrheit in die weite Welt hinaus.
Gleichzeitig fühlen sie sich angegriffen, obwohl keiner sie angreift.

Uruale, eine Frau, welche anonym bleiben will,
weil sie gerne kritisch (vor allem über Einwanderungshelfer) schreibt,
hatte eine wirklich absolut super coole Site über Uruguay.
Gerade ein paar Wochen alt,
wochenlange Arbeit, endlose Nächte investiert.
Sie hat Ihre Site gerade eben wieder geschlossen,
angeblich weil Mabu ihr mir dem Anwalt gedroht hätte.
(Kann man nachlesen:
Uruguay-Magazin.Com/2-Uruguay/338-Neuest...ikel/Page-2.html#392
) - kurz: absolut lächerlicher Vorwurf.
Im Google-Cache kann man die Seiten übrigens noch finden:
Suche nach dem Begriff "site:uruguay-az.blogspot.com"
oder klicke hier:
www.google.de/search?q=site%3Auruguay-az.blogspot.com
Ist das crazy?
Wie kann man das in die Tonne treten, weil einer einen scheinbar seltsamen Kommentar scheibt?

Ich hoffe, mein Ami-Kumpel kann mir helfen,
eine Antwort zum Thema "Verrückte Deutsche anywhere" zu finden,
damit ich noch einen Artikel daraus machen kann.

LG Ralph

Ach ja:
Deutschsprachige anderer Nationalitäten:
Ihr braucht Euch, wenn Ihr das hier lest, nicht darüber freuen,
dass Ihr nicht Deutsch seid.
Ich spreche vom gesamten deutschen Sprachraum.

Kommentar von pappisch, 27. Mai 2009:

Hallo Mabu, hallo Ralph,

die Gruppen die Du (MaBu) so nennst, leben überall, leider aber die letztgenannten mehr in PY.

@ Ralph,
du hast mich vielleicht etwas falsch verstanden, nicht alle unserer Landsleute spielen das gleiche Horn, es sind auch einige recht gute dabei. In dieser "Gemeinschaft" oder Gruppe hilft man sich. So war das gemeint. Daher auch die Frage, wie es sich in Uruguay verhält. Ich denke es wird wie überall sein, man sucht sich halt seine "Leute" aus.

Mal was, was eigentlich nicht zum "Thema" "Hüte dich.... " passt.

Wo ist Eurer Meinung nach die "schönste" Ecke Uruguays?? Habe viel von Atlantida gehört.

Holger

"Die Raute im Herzen" 


Diese Beiträge könnten Dich ebenso interessieren:

 
< Zurück   Weiter >
JoomlaWatch Stats 1.2.9 by Matej Koval
Powered by Gerstmann.Com