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Uruguay ist ein internationaler Finanzplatz, aber kein sog. Finanzparadies. Bis vor kurzem wurde das kleine Land am Río de la Plata zwar noch in der "Schwarzen" bzw. "Grauen Liste" der OECD für Steueroasen geführt (s. Tagesschau v. 23. 5. 2009), doch damit ist jetzt Schluß (s. Uruguay-Magazin v. 31. 5. 2010).
Hier operieren viele internationale Banken, wobei nicht wenige gar keinen Schalterverkehr für Kleinkunden und normale Einleger haben, sondern mit ihren Repräsentationsbüros, z.T. extraterritorial in einer der Freihandelszonen gelegen, nur Business- und Großkunden zur Verfügung stehen.
Foto: Blick in die Schalterhalle des
Hauptgebäudes der Staatsbank "Banco de la República Oriental del Uruguay" (BROU).
Das Haus Rothschild, Merrill Lynch, die Deutsche Bank AG und Konsorten sind
praktisch alle hier präsent, und sie werden schon wissen, warum.
Die vollständige Liste aller in Uruguay aktiven
Banken und Geldinstitute kann auf der Homepage
der uruguayischen Zentralbank eingesehen werden.
Personenkonten bei der Staatsbank BROU
Für Privatpersonen kann die uruguayische
Staatsbank Banco República (BROU) die beste Lösung sein, um Personenkonten zu führen, da hier...
-
...die Eröffnung eines Kontos am einfachsten ist und nichts kostet;
- ...das Geld am sichersten ist (Staatsbank; bevor die pleite geht,
machen alle anderen vorher dicht; die Bankenkrise 2002 war eine Krise von Privatbanken, in der der Staat die Verantwortung übernahm...);
- ...die Kontoführungsgebühren am niedrigsten sind (je nach Einlage
zwischen 1 und 5 USD x Monat, ab 500 USD bzw. EUR im Monatsdurchschnitt
gebührenfrei).
- Außerdem ist die BROU die einzige Bank in Uruguay, die landesweit präsent ist.
Die Eröffnung eines Kontos muß schriftlich mit Hilfe eines
auszufüllenden Formulars beantragt werden. Die Bearbeitungszeit des Antrags beträgt
offiziell drei Werktage, faktisch jedoch etwas mehr.
Zur Eröffnung eines
Sparkontos ("Caja de ahorros") im Banco República benötigen Sie:
- Ihren Reisepaß oder Ihre uruguayische Cédula oder ein anderes in Uruguay anerkanntes
Identitätsdokument (Original und Fotokopie).
- Eine Wohnsitzbescheinigung.
- Einen Einkommensnachweis (nicht: Arbeitslose, Studenten,
Hausfrauen usw.).
- Eine persönliche Referenz, d.h. eine Person, die bestätigt Sie zu
kennen und zu wissen wo Sie wohnen.
Die Eröffnung eines Girokontos ("Cuenta corriente") ist
komplizierter, da man außer persönlichen Referenzen noch geschäftliche
und Bankreferenzen beibringen muß. Der einzige Vorteil eines Girokontos
gegenüber einem Sparkonto ist, daß man für ein Girokonto Scheckhefte
bekommen kann.
Der Banco República hat Filialen im ganzen Land und im benachbarten
Ausland (Buenos Aires und São Paulo), außerdem in New York. Die Zentrale
befindet sich in der Altstadt von Montevideo in der Calle Cerrito 450.
Telefonische Auskünfte erhalten Sie unter der Nummer 1996.
(Zur
Bildvergößerung bitte hier klicken.)
Foto: Das Hauptgebäude der uruguayischen
Staatsbank "Banco de la República Oriental del Uruguay" (BROU) in der
Altstadt von Montevideo. Die prunkvolle Schalterhalle mit ihren
Marmorsäulen, Marmorplatten, Torbögen, Mosaiken und Goldverzierungen
läßt den ungeheuren früheren Reichtum der "Schweiz der Amerikas" erahnen.
Ist ein Eurokonto sinnvoll?
Man kann problemlos Konten in Euros, Dollars und natürlich auch
Pesos führen und bekommt das Geld in der Währung des Kontos ausgezahlt.
Die Mindesteinlage für die Eröffnung eines Devisenkontos bei der BROU beträgt 200,-
EUR bzw. USD.
Ob ein Konto in Euros (bzw. einer anderen Währung als US-Dollars oder
UY-Pesos) zu führen Sinn macht, ist jedoch fraglich. Erstens bekommt man
für ein Eurokonto keine Geldautomatenkarte, da diese Maschinen hier nur Pesos oder Dollars ausbezahlen. Zweitens sind
Überweisungen auf ein Eurokonto sehr teuer, auch wenn diese von einem
anderen Eurokonto kommen. Alle nach Uruguay gehenden Überweisungen
laufen via SWIFT über die USA und
werden erst einmal in US-Dollars umgewandelt, um danach wieder in Euros konvertiert zu werden. Man hat also
einen doppelten Wechselkursverlust.
Personenkonten bei einer Privatbank
Privatbanken können im Vergleich zur Staatsbank dynamischer und
kundenfreundlicher sein. Bei einigen Privatbanken kann man zu den gleichen bzw. sehr ähnlichen
Konditionen wie bei der BROU ein Konto eröffnen, z.B. beim
venezolanischen Bandes,
dem französischen Crédit Uruguay
(= Crédit Agricole), dem brasilianischen Banco Itaú, der
us-amerikanischen Discount Bank, der britischen HSBC oder dem
spanischen
Banco Santander, der
mit Abstand
größten Privatbank in Uruguay.
Geschäftskonten
Wenn Sie bei einer Privatbank ein Geschäftskonto eröffnen wollen,
sind -zusätzlich zu den bereits erwähnten Requisiten- bei den meisten
Geldhäusern folgende Mindest-Requisiten zwingend nötig (manche Banken
können noch mehr verlangen):
-
Eine Mindesteinlage zwischen 20.000 und 50.000 USD oder Euro.
- Ein Empfehlungsschreiben Ihrer Hausbank.
- Ein notarielles Zertifikat über die Herkunft Ihrer Gelder (womit
Sie Ihr Geld verdienen, Erbschaft oder was immer).
- Zwei oder drei lokale Referenzpersonen, die Sie kennen und
empfehlen.
Sollte dieses Zertifikat von einem nicht-uruguayischen Notar ausgestellt
sein, muß es von dem für den Ausstellungsort zuständigen uruguayischen
Konsulat überbeglaubigt und von der Konsularabteilung des
Außenministeriums in Montevideo legalisiert sein.
Bankgeheimnis und Nummernkonten
Noch ist das Bankgeheimnis in Uruguay besser geschützt als etwa in der
Schweiz, Liechtenstein oder Luxembourg. Einsicht
in Bankkonten kann hier bisher nur ein Richter in einem bereits laufenden
Verfahren nehmen. Das kann sich aber in Zukunft ändern (s. Uruguay-Magazin v. 31. 5. 2010).
Anonyme Nummernkonten kann man bei Banken in einer Freihandelszone
führen.
Geldautomaten und Kreditkarten
An Geldautomaten bekommt man vom BROU und jeder anderen Bank
uruguayische Pesos oder US-Dollars ausbezahlt. Um Geld von einem
Eurokonto zu erhalten, muß man zur Bank gehen.
Mit Ihrer BROU-Karte können Sie von Ihren uruguayischen Konten täglich
max. 10.000 Pesos bzw. 1.000 USD ziehen, und das gebührenfrei. Bei manchen Privatbanken können Sie mit deren Bankkarte auch kostenlos Geld am Automaten erhalten, wenn Sie irgendwo auf der Welt ein Konto bei jener Bank haben. (Das gilt z.B. für Citibank / Targo).
Mit einer ec-Karte können Sie an den hiesigen Geldautomaten maximal 5.000 Pesos bzw. 200 USD ziehen, je nach ausstellender Bank auch nur die Hälfte. Auch für internationale
Kreditkarten gelten ähnliche Beschränkungen. Sie können natürlich mehrmals
hintereinander Geld abheben, wobei jedoch für jede Transaktion die
entsprechenden Gebühren fällig werden, nicht selten um die 8 Euro pro Vorgang, wobei es jedoch auch günstigere Anbieter gibt.
Verantwortlich für dieses Malheur sind nicht die uruguayischen Banken,
sondern die Kreditkartenfirmen nebst Cirrus und ATM, die auf diese Art alle mehr verdienen.
Tipp 1: Wenn Sie mit Ihrer ec- oder Kreditkarte an den Bankschalter gehen, können Sie erheblich mehr Geld bekommen und bezahlen nur die Gebühren für einen Vorgang.
Tipp 2: Bestimmte Kreditkarten-Verkäufer bieten Verträge an, mit
denen man gebührenfrei im Ausland Geld ziehen kann. Das gilt z.B. für ADAC Doppel-Gold-Kreditkarten (Visa und Mastercard). Voraussetzung ist hier die vorherige Einzahlung des Geldes auf ein Kartenkonto.
Online-Banking
Internet- oder Online-Banking gibt es in Uruguay nur eingeschränkt -
natürlich nicht deswegen, weil dies hier technisch nicht möglich wäre,
sondern weil es die uruguayische Zentralbank so bestimmt.
Online kann man bei allen uruguayischen Banken nur seinen Kontostand und
die Kontobewegungen einsehen sowie Überweisungen innerhalb derselben
Bank (und im selben Land) vornehmen. D.h. man kann von seinem Rechner
aus nicht zu einer anderen Bank oder in's Ausland überweisen. Dazu muß
man persönlich zur Bank gehen.
Restriktionen zum Schutz vor Geldwäsche
Wenn Sie in einer Wechselstube mehr als 3.000 USD oder einen
äquivalenten Betrag in einer anderen Währung umtauschen oder sich über
Western Union oder ein ähnliches Unternehmen eine höhere als die
genannte Summe schicken lassen oder versenden, müssen Sie eine formlose
Erklärung über Herkunft und Verwendungszweck des Geldes abgeben.
Wenn auf Ihrem uruguayischen Konto eine Überweisung von mehr als 10.000
USD oder ein äquivalenter Betrag in einer anderen Währung eintrifft,
kann es vorkommen, daß die Hausbank der überweisenden Person oder Firma
eine Erklärung abgeben muß, daß diese Person / Firma bei der Bank
bekannt ist und die Gelder legal sind, und Sie als Empfänger müssen
eidesstattlich erklären, wofür die Gelder bestimmt sind.
Das kann Ihnen im Prinzip schon bei Beträgen ab
3.000 USD passieren und hängt von der Politik des Leiters der jeweiligen
Bankfiliale ab. Wenn Sie ein Konto eröffnen, sollten Sie das zuvor
abklären und sich gegf. eine andere Filiale desselben Geldinstituts oder eine andere Bank suchen.
Wenn Sie selbst sich von einem ausländischen Konto einen
entsprechenden Betrag auf Ihr Konto in Uruguay überweisen, müssen Sie
bei der uruguayischen Bank einen Auszug Ihres ausländischen Kontos
vorlegen, aus dem die betreffende Überweisung hervorgeht.
Den erwähnten Kontoauszug können Sie auch aus dem Internet ausdrucken.
Wenn Überweisungen von einem bestimmten Auslandskonto mehrmals
vorkommen, muß dieses Procedere i.d.R. nur beim ersten Mal durchgeführt
werden. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Man braucht nicht extra zu erwähnen, daß durch
diese Maßnahmen die großen Geldwäscher nicht an ihrem Tun gehindert
werden. Es trifft wieder mal nur die einfachen Leute, die dadurch mehr
Umstände haben.
Keine IBAN & BLZ
IBAN und Bankleitzahlen gibt es in Uruguay nicht. Hier sind nur BIC /
Swift-Code und ABA-Code üblich.
Stand: 1. Juli 2010.
Alle Angaben nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.
Weitere Beiträge zu den Themen "Auswandern / Einwandern" und "Leben in
Uruguay" in diesem Magazin:
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