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Auswandern nach Uruguay

Auswandern nach Uruguay

Berlin: Freitag 20.07.18 00:54 | Montevideo: Donnerstag 19.07.18 19:54

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Das Dilemma mit dem Biodiesel in Lateinamerika

Geschrieben von Martin   
Erstellt: Mittwoch, 18. Juli 2007
Der exzessive Monokulturanbau der derzeit in Lateinamerika betrieben wird um Biokraftstoffe zu erzeugen und zu exportieren führte zu einer kontroversen Debatte unter den diversen politischen Institutionen. Während die eine Seite von einer neuen Armut und Abhängigkeit redet, verteidigt die andere den ökologischen Fortschritt. (Quelle: Beilage El País) Soll man den Anbau von Monokulturen stärker forcieren, um den Menschen in den industrialisierten Ländern Nahrung zu liefern und ihnen das Autofahren weiterhin zu ermöglichen ? Das ist der Zündstoff, der eine internationale Debatte auslöste, besonders wenn es sich darum dreht den gewonnen Biotreibstoff in Länder wie die USA, Japan oder die EU zu liefern. Der Ölpreis, die Erderwärmung und der internationale Druck nach weniger umweltschädlichen Alternativen zu suchen, erhöhen die Nachfrage nach erneuerbaren Treibstoffen, die vor allem aus Soja, Mais und Zucker gewonnen werden. Das wachsende Ethanolgeschäft zwischen Brasilien und den USA sowie die Ausweitung des Anbaus der Monokulturen in Lateinamerika, die zur Erzeugung von Biokraftstoffen dienen, schüren die Debatte.

Auf der einen Seite wettern der kubanische Diktator Fidel Castro und der venezuelanische Präsident Hugo Chávez, dass der vermehrte Monokulturanbau, der zum Export dient, nur eine neue Form der Verarmung und wirtschaftlichen Abhängigkeit der lateinamerikanischen Länder mit sich bringen wird. Auf der anderen Seite bringen der amerikanische Präsident Bush und sein brasilianischer Amtskollege Lula an, dass so die Abhängigkeit vom Erdöl verringert wird und es sich dabei zusätzlich um eine notwendige ökologische Entwicklungsstrategie handelt.

Castro begann schon im vergangenen März eine Medienkampagne gegen die Monokulturen in der Tageszeitung “ Granma ” , in dem er mit seinem politischen Aliierten Chávez übereinstimmt . “ Es handelt sich um einen stillen Genozid der armen Länder, in dem die Ernten nur für die Erzeugung von Biotreibstoff genutzt werden anstatt als Nahrung für die vielfach leidende Bevölkerung. Die Folge wird sein, dass die Nahrung teurer wird, die Böden ausgelaugt werden und die armen Länder immer ärmer werden nur um den Energiehunger der USA zu befriedigen ” . Lula antwortete ihm darauf in einem Artikel in der Washington Post, in dem er schrieb, dass der Biotreibstoff die nächste Energierevolution darstelle und seine Infragestellung auf einem Mythos beruhe, genau wie die Bedrohung des Amazonasurwaldes und die Nahrungsmittelproduktion. Weiterhin schrieb er , dass die Amazonasböden nicht für den Zuckerrohranbau geeignet seien und, dass nur ca. 1% der anbaufähigen Böden in Brasilien dazu genutzt werden.

Die Diskussion ist oftmals nicht leicht zu durchschauen. Die USA und Brasilien sind die beiden Hauptethanolproduzenten weltweit, andererseits ist Venezuela ein Haupterdölexporteur und gleichzeitig politischer Aliierter von Kuba und es ist verständlich, dass man sich gegen die Biotreibstoffgewinnung stellt, wenn da nicht gerade ein Projekt zur Erzeugung und dem Export von Biokraftstoffen durch Sojaanbau in Angriff genommen worden wäre. Die Position Kubas ist mehr ideologisch als strategisch, da es über weitreichende Zuckerrohranbauflächen verfügt und gerade Pilotprojekte gestartet hat, die dazu dienen Biotreibstoffe daraus herzustellen.

Mitten in der Diskussion hat das Centro Latinoamericano de Energía Social (Claes) eine Dokumentation erarbeitet, die die sozialen, wirtschaftlichen und umweltschädlichen Auswirkungen des vermehrten Monokulturanbaus kritisch hinterfragt. Die Debatte, die das politische Zweigestirn Castro-Chávez entfesselt hat, benötigt trotz einiger positiver Aspekte eine tiefere Analyse und Argumentation, meint der Direktor der Claes Eduardo Gudynaso.

Brasilien, Argentinien, Bolivien und Guatemala exportieren Biotreibstoffe und es gibt noch weitere Projekte dieser Art in fast ganz Lateinamerika. Mindestens 9 Länder produzieren bisher Biotreibstoff, Uruguay unternimmt gerade die ersten Schritte.

Das Kyoto Protokoll fördert diese Entwicklung, in dem es die industrialisierten Länder dazu auffordert den CO2- Ausstoss, der mitunter durch die fossilen Brennstoffe verursacht wird, drastisch zu reduzieren und sie durch Biotreibstoffe zu ersetzen. Seitdem betrachten die Industrienationen Lateinamerika als geeigneten Markt, um an die Treibstoffe zu gelangen. Die EU setzte sich bis zum Jahre 2020 das Ziel 10% des jährlichen Treibstoffverbrauchs durch alternative Antriebsstoffe zu ersetzen. Die BID (Banco Interamericana de desarrollo) kündigte die Gründung eines 300 Millionen $ Fonds an, der die Herstellung und Nutzung der alternativen Treibstoffe weiter fördern soll. Im Moment unterstützt die BID bereits 8 Ethanolprojekte in Brasilien mit einem gigantischen Etat. Die USA hat das Kyoto Protokoll abgelehnt und präsentierte stattdessen den Plan “20 in 10”, der vorschlägt den Treibstoffverbrauch in den nächsten 10 Jahren um 20% zu senken. Auch die Automobilindustrie ist mit von der Partie, denn die Hälfte der Produktion bei Ford, GM und Chrysler soll bis dahin bis zu 85% auf Ethanolbasis laufen, das zumindest sind die Versprechungen die gemacht wurden.

Brasilien prognostiziert, dass man ca. 200 Millionen Hektar Anbaufläche in den nächsten Jahren zur Verfügung stellen wird, die zum Bepflanzen von Monokulturen genutzt werden können. Das Land bereitet sich darauf vor bis 2017 ca. 15 % des nordamerikanischen Ethanolbedarfs zu decken, was eine Verachtfachung seiner jetzigen jährlichen Produktion bedeutet. “Wir werden Sao Paolo zur Welthauptstadt des Ethanols machen”, sagt Eduardo Carvalho, Präsident der Zuckerrohranbauindustrie, der kürzlich Pflanzer, Investoren, Politiker und Techniker zusammenrief, um mit ihnen über die Zukunft der Biotreibstoffe zu diskutieren.

Um den Handel zu erleichtern versucht Brasilien die Anerkennung des Ethanols als Rohstoff, laut den Regeln der WTO (Welthandelsorganisation) durchzusetzen und fordert die USA auf die Importzölle zu reduzieren, welche einen indirekten Schutz der einheimischen Ethanolproduktion darstellen. Argentinien lieferte im Mai die ersten 200 000 l Sojabiodiesel zum Preis von 1,75 Millionen $ nach Deutschland. Man billigte 2005 ein Programm, das die Produktion und den Nutzen von Biotreibstoffen für einen Zeitraum von 15 Jahren anreizen soll. In Bolivien sind mittlerweile 17 Destillerien im Bau, die eine jährliche Kapazität von 50 000 Kubikmeter haben werden.


Soziale Auswirkungen

Die Gewinnung von Biotreibstoffen mit den aktuellen Methoden ist gegenwärtig aus sozial-ökonomischer Sicht zumindest zweifelhaft, stellt Claes im Vorabbericht fest. Die Debatte in Lateinamerika muss sich auf die umweltschädlichen Auswirkungen beziehen, die der grossflächige Monokulturanbau mit sich bringt um die Auslandsnachfrage zu befriedigen. Einige der Probleme, die man derzeit analysiert sind, ob der industrielle Nutzen, die Mastfutterproduktion, sowie die Biotreibstoffherstellung mit dem Ziel zu exportieren, mehr Rendite einbringen, als der Anbau von Getreide, der zum Zweck der Ernährung der Menschen dient. Diverse Marktauswirkungen waren deutlich zu spüren im Falle der mexikanischen Maistortillas, welche ein einheimisches, traditonelles Basisgericht darstellen. Die Preiserhöhungen und die darauffolgenden Proteste resultierten aus der starken Maisnachfrage der USA zur Ethanolherstellung.

Der Bericht stellt weiter fest , dass Länder wie Bolivien, Guatemala, Honduras, Nicaragua und Paraguay Länder sind, die eine hohe Unterernährungsquote aufweisen, gleichzeitig aber Getreide exportieren. 10% ihrer Bevölkerung ist unterernährt, während mehr als 25 % ihrer Exporte Agronahrungsmittel darstellen.

Desweiteren führt der grossflächige Monokulturanbau zu einer Grundstückskonzentration, wobei die kleineren und mittleren Landwirtschaftsproduzenten ihre Betriebe früher oder später aus Kostengründen verkaufen müssen, gleichzeitig ihren Lebensunterhalt verlieren und in die Städte ziehen. Die besonders niedrigen Lohnstandards, die schlechten Gesundheits- und Arbeitsbedingungen begünstigen noch den Monokulturanbau. Im vergangenen Jahr starben 48 Zuckerrohrarbeiter in Brasilien in Folge von Transportunfällen oder beim Abfackeln der Felder. Bei Inspektionen, die das Arbeitsministerium zwischen dem 19. und 22. März durchführen liess fand man 288 Arbeiter in Sao Paolo in einer Biotreibstoffherstellungsanlage, die unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiteten (Wassermangel, Schwarzarbeit, schlechte hygienische Arbeitsplätze).

In der Alkoholfabrik de Iguatemí im Bundesstaat Mato Grosso Do Sul retteten die Behörden 409 Personen, die ohne Wasser und Essen arbeiten mussten.

Laut Claes breiten sich die Anbauflächen über das empfindliche Ökosystem im tropischen Zentrums Brasiliens aus, desweiteren pflanzt man grossflächig im Osten von Bolivien, in Paraguay, im Norden von Argentinien, im Amazonasgebiet von Perú und in den Andentälern von Kolumbien. Viele ehemals traditionelle Nutzflächen werden ebenfalls umgewandelt speziell in Guatemala, Honduras, Chile, im Zentrum von Argentinien, in Südbrasilien und entlang der uruguayischen Flussküsten.

Der Bericht zeigt weiterhin, um Bioethanol aus Zuckerrohr herzustellen muss man für die Ernte riesige Felder abfackeln, bei deren Verbrennung eine gigantische Menge von Gasen entstehen, die wiederum zum Treibhauseffekt beitragen. Ein anderes Problem stellen die Bewässerung und die Kunstdünger dar. Besonders hoch dabei ist der Wasserverbrauch der Sojapflanze.

2004 importierte China 18 Millionen Tonnen Soja aus verschiedenen Ländern, welche 45 Billionen Liter Wasser zur Bewässeung verbrauchten, was ca. zwei Drittel des Wasserverbrauchs der gesamten Menschheit entspricht.
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