Kopfbereich

Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation Direkt zum Kontakt

Auswandern nach Uruguay

Auswandern nach Uruguay

Berlin: Mittwoch 14.11.18 19:28 | Montevideo: Mittwoch 14.11.18 15:28

Inhalt

Die Ergebnisse der uruguayischen Wahlen im Einzelnen

Geschrieben von Manfred Burger   
Erstellt: Dienstag, 27. Oktober 2009

wahlen.jpgNach der ersten Stimmauszählung haben der Frente Amplio mit Kandidat José "Pepe" Mujica in den Präsidentschaftswahlen vom Sonntag im ersten Durchgang 48,16% der Stimmen erhalten, der Partido Nacional (Blancos) mit Luis Alberto Lacalle 28,94%, der Partido Colorado (Colorados) mit Pedro Bordaberry 16,90% und, weit abgeschlagen, der Partido Independiente mit Pablo Mires 2,47%.

Damit wird ein zweiter Wahlgang (Ballotage) am 29. November 2009 notwendig werden, bei dem die beiden bestplatzierten Kandidaten gegeneinander antreten werden: José Mujica und Luis Alberto Lacalle. Pedro Bordaberry hat bereits die Anhänger/innen der Colorados zur Unterstützung der Blancos aufgerufen.

Die in diesem Artikel genannten Ergebnisse können sich noch geringfügig ändern.

Frente-Amplio-Mehrheit im Zwei-Kammer-Parlament

Im Senat / Oberhaus hat der Frente Amplio eine Mehrheit sicher (16 von 30 Sitzen, Blancos: 9, Colorados 5). Im Repräsentantenhaus / Unterhaus scheint das auch so zu sein (50 von 99 Sitzen, Blancos: 30, Colorados: 17, Partido Independiente: 2), aber das hängt noch von der endgültigen Bewertung der beanstandeten Stimmzettel ab ("Votos observados"), der der 50. Frente-Amplio-Sitz zum Opfer fallen könnte (vgl. El País v. 27. 10. 2009, mit den Namen der Senatoren und Abgeordneten).

Panta rhei - Alles fließt...

Zur großen Überraschung hat der Frente Amplio in Montevideo 4,5 Prozentpunkte verloren (519.381 Stimmen 2009 -ohne "Votos observados"- vs. 565.974 Stimmen von 2004) und im Landesinneren um 120.000 Stimmen zugelegt.

Montevideo ist die klassische Hochburg der Mitte-Links-Koalition, wo der Frente Amplio auch seit 1990 den Ministerpräsidenten (Intendente) stellt (s. hier). Das Landesinnere war hingegen immer eher eine Domäne der Blancos.

Die Situation in den Departamentos

Dieses Mal hat der Frente Amplio in 11 der 19 Departamentos (Bundesländer) die meisten Stimmen auf sich vereinigen können, die Blancos hingegen nur in 8. Das wird die politische Landkarte markieren bis Mai 2010, wenn die Kommunal- und Länderwahlen in den Departamentos stattfinden werden. 2004 hatte der Frente in sieben Departamentos die meisten Stimmen erzielt, die Blancos in 12.

In Montevideo haben auch die Blancos Federn lassen müssen (26.000 Stimmen weniger als 2004), während der Partido Colorado um 60.000 Stimmen zulegte.

Bei den vorgestrigen Wahlen erzielte der Frente Amplio die meisten Stimmen in den Departamentos Canelones (50,78%), Colonia (38,06%), Florida (37,51%), Maldonado (40,54%), Montevideo (55,91%), Paysandú (44,55%), Río Negro (40,07%), Rocha (40,65%), Salto (45,55%), San José (42,02%) und Soriano (42,99%); der Partido Nacional in Artigas (39,54%), Cerro Largo (41,15%), Durazno (39,87), Flores (43,75%), Lavalleja (40,94%), Rivera (34,07%), Tacuarembó (40,89%) und Treinta y Tres (41,65%) (s. Die offiziellen Wahlergebnisse des Wahlgerichtshofs). Dabei fällt auf, daß die bevölkerungsreichsten Departamentos alle zum Frente Amplio tendieren.

Anmerkung: Wenn der Frente Amplio in einem Departamento nicht über, sagen wir, 47% der Stimmen hat, verfügt er dort über keine politische Mehrheit, denn zu den Stimmen für die Blancos kommen immer noch die überwiegende Mehrheit der Stimmen für die Colorados und den Partido Independiente hinzu.

Von den acht Departamentos, in denen der Frente Amplio gegenwärtig die Landesregierungen stellt, hat die Regierungskoalition nur in einem verloren, in Treinta y Tres, dafür aber in vier anderen stark zugelegt, die derzeit von den Blancos regiert werden: Colonia, Río Negro, San José und Soriano.

52,51% der Stimmen, die der Frente Amplio am Sonntag erhielt, kamen aus dem Landesinneren (2004 waren es 49,3% gewesen), während beim Partido Nacional 69,55% der Stimmen aus dem Landesinneren stammten (2004: 70,37%) und beim Partido Colorado 64,34% (2004: 67,06%).

Die Kräfteverhältnisse innerhalb des Frente Amplio

Intern ist der Frente Amplio aufgeteilt in Sektoren, die José Mujica unterstützen und solche, die eher hinter Danilo Astori stehen, wobei die Sympathisanten Mujicas eine Mehrheit bilden.

Der "Espacio 609", die Allianz zwischen Mujicas MPP (Ex-Tupamaros) und der Kommunistischen Partei, hat auch diesmal die mit Abstand meisten Stimmen für den Frente Amplio geholt (43% der für den Frente abgegebenen Stimmen). Als zweitstärkste Kraft innerhalb des Frente Amplio (mit 27% der für den Frente Amplio abgegebenen Stimmen) hat sich der "Frente Líber Seregni" konsolidiert, ein Zusammenschluß aus der "Asamblea Uruguay" von Danilo Astori, der "Alianza Progresista" von Rodolfo Nin Novoa und dem "Nuevo Espacio" von Rafaél Michelini. Die Sozialistische Partei, aus der Tabaré Vázquez kommt und die mit dem "Frente Líber Seregni" verbündet ist, landete mit 14% der Pro-Frente-Stimmen auf Platz drei. Die "CAP-L" von Eleuterio Fernández Huidobro, einem Freund "Pepe" Mujicas und wie dieser Gründungsmitglied und historischer Führer der Tupamaros, belegte mit 6,5% Pro-Frente-Stimmen den 4. Platz.

Innerhalb des Frente Amplio schlecht abgeschnitten haben die soeben erwähnte "Alianza Progresista" von Rodolfo Nin Novoa (Vizepräsident unter Tabaré Vázquez) sowie die "Vertiente Artiguista" des Ex-Intendenten von Montevideo (2000-2005), Mariano Arana. Der Führer der Sozialistischen Partei, Reinaldo Gargano, schaffte es nicht in den Senat, obwohl seine Partei insgesamt bei den Wahlen nicht schlecht im Rennen lag (s.o.).

Foto: Präsidentschaftskandidat José

Bild: Das Kandidaten-Duo des Frente Amplio: José "Pepe" Mujica und sein Vize, Danilo Astori.

Im Gegensatz zu den anderen Parteien wird der Frente Amplio seine Führungsorgane entsprechend des Abschneidens der einzelnen Strömungen bei den Wahlen umbilden.

Die Kräfteverhältnisse innerhalb des Partido Nacional

Bei den Blancos konsolidierten sich die Parteiströmung "Herrerismo" von Luis Alberto Lacalle und die "Alianza Nacional" von Jorge Larrañaga als die beiden stärksten Pfeiler der Partei. 52% der Pro-Blanco-Stimmen kamen über Lacalle-Listen, 41% über Larrañaga-Anhänger.

Foto: Luis Alberto Lacalle mit zwei Anhängerinnen.

Foto: Luis Alberto Lacalle mit zwei Anhängerinnen.

Die Kräfteverhältnisse innerhalb der Colorados

Die Colorados haben sich von ihrem historischen Tief 2004 erholt und dieses Mal fast 50% mehr Stimmen erhalten als damals. Insgesamt haben sie 10 Parlamentssitze dazu gewonnen.

Foto: Pedro Bordaberry, Hoffnungsträger des Partido Colorado, Uruguay. Die Parteiströmung "Vamos Uruguay" von Pedro Bordaberry holte 56% der Pro-Colorado-Stimmen, während das Wahlbündnis "Propuesta Batllista" mit 30% auf Platz zwei landete, zusammengesetzt aus dem "Foro Batllista" von Julio María Sanguinetti und der "Lista 15" von dessen früherem Erzrivalen, Jorge Batlle, beide Ex-Präsidenten der Republik.

Das höchste Parteiorgan Colorados ("Comité Ejecutivo Nacional" - CEN) bleibt nach wie vor zusammengesetzt aus zehn Vertretern von "Vamos Uruguay" (Pedro Bordaberry), zwei der "Lista 15" (Jorge Batlle), zwei der "Lista 321" (Alberto Iglesias) und einem des "Foro Batllista" (Julio María Sanguinetti).

(Quelle: El País v. 27. 10. 2009.)

Das Abschneiden der Plebiszite

Die beiden ebenfalls zur Wahl stehenden Plebiszite fanden keine Mehrheiten. Die Ermöglichung der Briefwahl für sich im Ausland aufhaltende Uruguayer erhielt nur 36,93% der Stimmen, und die Abschaffung des Straffreiheitsgesetzes für Militärs und Polizisten vom Dezember 1986 verfehlte mit 47,36% knapp die erforderliche Mehrheit (s. El País v. 26. 10. 2009).

Ballotage am 29. November 2009

Wie bereits erwähnt, hat die Parteiführung der Colorados dazu aufgerufen in der zweiten Wahlrunde am 29. 11. 2009 das Kandidaten-Duo der Blancos zu unterstützen. Trotzdem liegt nach neuesten Umfragen José Mujica ca. einen Prozentpunkt vor seinem Wiedersacher Luis Alberto Lacalle. Es wird auf jeden Fall spannend werden.

Uruguayer/innen, die in dem Zeitraum vom 26. Oktober bis 29. November 18 Jahre alt werden, dürfen lt. einer Entscheidung des Obersten Wahlgerichtshofs trotz ihrer erreichten Volljährigkeit an dieser Ballotage nicht teilnehmen (s. El País v. 28. 10. 2009).

Foto: Jungwähler, Uruguay 2009.

Foto: Jungwähler, Uruguay 2009 (Quelle: El País).


Detaillierte Wahlinfos in spanischer Sprache:

  1. El Observador v. 27. 10. 2009: Elecciones 2009
  2. El País v. 27. 10. 2009: Elecciones 2009
  3. Die offiziellen Wahlergebnisse des Wahlgerichtshofs
  4. Die Sitzverteilung im neuen Parlament (Oberhaus und Unterhaus)

Weiterführende Links in diesem Magazin:

 


Diese Beiträge könnten Dich ebenso interessieren:

 
< Zurück   Weiter >
JoomlaWatch Stats 1.2.9 by Matej Koval
Powered by Gerstmann.Com