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Auswandern nach Uruguay

Auswandern nach Uruguay

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Überschwemmungen in Uruguay

Geschrieben von Manfred Burger   
Erstellt: Freitag, 22. Januar 2010

Foto: Tabaré Vázquez in Durazno: ein Präsident zum Anfassen.

Uruguay ist ein Land frei von schweren Naturkatastrophen. Hier gibt es keine Erd- oder Seebeben, keine Hurrikane, keine Überschwemmungskatastrophen und keine verheerenden Dürreperioden. Es gibt auch keine Seuchen, weder unter Menschen (keine Malaria-Moskitos!) noch unter Tieren (von vereinzelten Fällen von Maul- und Klauenseuche einmal abgesehen). Als überall BSE-Alarm war, war Uruguay seuchenfrei.

Was es gibt sind hin und wieder schwere Unwetter, ein-, zweimal pro Jahr Stürme mit Spitzen von 140, 160 oder 180 km/h (vor allem der jedes Jahr zu Frühlingsbeginn aus Argentinien herüberziehende "Santa Rosa"), sporadisch kleinere Trockenperioden, die die Landwirtschaft zwar betreffen, aber immer "im Rahmen" bleiben. Und es gibt regelmäßig Überschwemmungen kleineren oder etwas größeren Ausmaßes.

Von diesen handelt dieser Beitrag.

Foto: Der uruguayische Präsident Tabaré Vázquez im April 2007 bei Überschwemmungsopfern in Durazno.

Uruguay ist eines der wasserreichsten Länder der Erde und auch sehr regenreich. Die Niederschläge fallen über das ganze Jahr verteilt, mit einem gewissen Schwerpunkt im hiesigen Winter, von Ende Mai bis Ende August.

Manchmal rauscht jedoch zuviel des Guten vom Himmel nieder und verursacht Überschwemmungen, meistens in den Departamentos des Landesinneren. Die Departamentos an der Küste (Colonia, San José, Montevideo, Canelones, Maldonado, Rocha) bleiben davon in der Regel verschont.

Menschenopfer waren bei den Überschwemmungen hier praktisch nie zu beklagen, und wenn, dann bewegten sich die Zahlen im einstelligen Bereich. Das gilt auch für die drei Überschwemmungen, über die im Folgenden berichtet wird.

Die "Uruguayische Sintflut" vom April 1959

Vor einem halben Jahrhundert, 1959, erlebte Uruguay die wohl schlimmsten Überschwemmungen seiner bekannten Geschichte. Am Karfreitag jenes Jahres, am 27. März, begann es zu regnen. Es wurden nicht nur verregnete Osterfeiertage daraus, sondern es goß einen ganzen Monat lang flächendeckend im gesamten Land in Strömen! Keine Stadt, kein Dorf, kein Landstrich blieb von den Wassermassen verschont!

Daß die Abwasserkanäle in dieser Situation vollkommen überlastet waren, kann sich jeder unschwer vorstellen. Die Flüsse traten über die Ufer, Städte und Gemeinden standen von Ost bis West, von Süd bis Nord unter Wasser, Telefon- und Stromleistungsmasten knickten um, viele Straßen waren unpassierbar. Das Land war in vielerlei Hinsicht paralysiert.

Selbst das große uruguayische Wasserkraftwerk am Río Negro wurde überschwemmt und erzeugte dann natürlich keine Elektrizität mehr. Die Stromversorgung im Land kam weitgehend zum Erliegen. Die Überflutung von Rincón del Bonete (so der Name der Anlage mit ihrem gleichnamigen künstlichen Stausee von über 1.000 km²) hatte man durch die Sprengung eines der seitlichen Staudämme zu vermeiden versucht. Aber obwohl so große Wassermengen abflossen, stieg der Wasserspiegel des Stausees weiter, bis er schließlich höher war als die Talsperre. So gelangten die Wassermassen in den Turbinenraum des Kraftwerks, setzten dieses außer Betrieb, und stürzten die Staumauer hinab Richtung Westen, wo sie die dort liegenden Gemeinden bedrohten. 

Foto: Das Stauwehr von Rincón del Bonete wird von den Wassermassen überspült. Uruguay, April 1959.

Foto: Das Stauwehr von Rincón del Bonete wird während der "Uruguayischen Sintflut" im April 1959 von den Wassermassen überspült. Auf dem Höhepunkt der Katastrophe war der Wasserspiegel sage und schreibe 70 cm höher als die Staumauer! Was da Richtung Westen hinunter brach, war eine geschlossene Wasserwand! Von der Kraftwerksanlage war so gut wie nichts mehr zu sehen!

Alle Bewohner des nahegelegenen Städtchens Paso de los Toros und Umgebung mußten evakuiert werden, insgesamt rund 10.000 Menschen. Bis nach Mercedes strömten die den Stausee überbordenden Wassermassen. Erst am 27. April begann das Stauwehr wieder aus den Fluten aufzutauchen, nachdem die Regenfälle nachgelassen hatten.

Neben Paso de los Toros und Mercedes waren die Städte Salto, Paysandú, Fray Bentos und Rivera die meistgeschädigten durch diese "Uruguayische Sintflut". Genaue Zahlenangaben über die entstandenen Schäden liegen mir nicht vor, aber jede/r kann sich wohl einigermaßen ausmalen, was hier los war.

Die Überschwemmungen vom April 2007

Die nächsten bedeutenden Überschwemmungen in Uruguay gab es 48 Jahre nach der Katastrophe von 1959. Zum Glück waren jedoch der Umfang der Überschwemmungen und die angerichteten Schäden nicht auch nur annähernd mit denen der "Sintflut" zu vergleichen.

Am schlimmsten betroffen war dieses Mal das Departamento Durazno mit seiner gleichnamigen Hauptstadt. Hier trat der Río Yí über seine Ufer. Der damalige Intendente von Durazno, Carmelo Vidalín, bezeichnete die Situation als "katastrophisch" und sprach von den "schlimmsten Überschwemmungen seit 1959". Gut 6.000 Menschen mußten allein in Durazno evakuiert werden. In der Hauptstadt mußte die Trinkwasserversorgung eingestellt bzw. von Tankwagen des Wasserwerks übernommen werden.

Foto: Ein Bauernhof in Durazno, Uruguay, während der Überschwemmungen vom April 2007.

Foto: Bauernhof in den Fluten. Durazno, Uruguay, im April 2007.

In Treinta y Tres mußten rund 3.000 Menschen evakuiert werden, in Soriano (mit seiner Departamentshauptstadt Mercedes) waren es ähnlich viele. Die anderen in Mitleidenschaft gezogenen Departamentos waren Florida, Canelones, Cerro Largo, Tacuarembó und Rocha.

In ganz Uruguay gab es insgesamt rund 12.000 Evakuierte, darunter mindestens 3.000 Kinder, plus 90.000 weitere Personen, die, auch wenn sie nicht ihre Häuser verlassen mußten, auf die eine oder andere Weise von den Folgen der Überschwemmungen betroffen waren. Der nationale Notstand wurde ausgerufen.

Neben Beschädigungen an Häusern und deren Einrichtungen (bzw. deren Zerstörung) gab es auch Verluste beim Vieh und den Ernten. Allein in Treinta y Tres ertranken tausende von Schafen, und praktisch die gesamte Sojaproduktion wurde vernichtet bzw. wertlos gemacht. Auch die Versorgung mit Trinkwasser und Strom wurde wieder in Mitleidenschaft gezogen, wie vieles Andere.

Die Überschwemmungen vom November 2009

Die Überschwemmungen vom November 2009 waren weniger stark als die von vor zweieinhalb Jahren. Trotzdem gingen die angerichteten Schäden an Häusern, Infrastruktur, Ernten und Vieh wieder in die Millionen. Der Notstand wurde dieses Mal nicht deklariert.

Betroffen waren die Departamentos an der uruguayischen Westgrenze zu Argentinien (dieser Gebietsstreifen längs des Río Uruguay wird hier "Litoral" genannt), in diesem Fall die Departamentos Artigas, Salto, Paysandú und Soriano. Die Überschwemmungen in diesem Gebiet gingen zum Großteil auf den Überlauf des Río Uruguay zurück und waren weitgehend sozusagen importiert, da der Río Uruguay vor allem wegen starker Regenfälle in Brasilien so angeschwollen war.

Die anderen in Mitleidenschaft gezogenen Departamentos waren Durazno, Cerro Largo und Tacuarembó.

An die 7.500 Menschen mußten dieses Mal evakuiert werden, davon knapp 4.000 allein in Paysandú, das dieses Mal das am stärksten betroffene Departamento war. Die Zahl der Evakuierten in Salto belief sich auf 2.800.


Quellen: Wikipedia, Wikinews v. 9. Mai 2007, Uruguayos en Francia v. 13. Mai 2007, Uruguayos en Cataluña v. April 2007, Uruguay al Día v. 27. November 2009, Hoy.com v. 4. Dezember 2009.

Kommentar von Manfred, 9. Februar 2010:

Erneut Überschwemmungen in Uruguay

Ca. 5.000 Menschen sind derzeit in Uruguay evakuiert wegen Überschwemmungen. Am schlimmsten betroffen ist wieder einmal Durazno, wo allein 3.000 Personen ihre Häuser verlassen mußten. Und der Río Yi steigt weiter...


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