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Auswandern nach Uruguay

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Teletón 2010: Uruguay, wie es leibt und lebt!

Geschrieben von Manfred Burger   
Erstellt: Sonntag, 5. Dezember 2010

Foto: Teletón 2010, Uruguay.Nichts offenbart so sehr die Wesenart und Menschlichkeit der Uruguayer wie Teletón.

Teletón ist ein Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit gravierenden Problemen in der Motorik und/oder im Knochenbau, das praktisch ausschließlich durch Spendengelder finanziert wird. Teletón ist auch der Name der gleichnamigen Spendenkampagne, die seit 2003 jedes Jahr in einem 24stündigen TV-Marathon kulminiert.

Bild: Kinder der Teletón.

Gestern und vorgestern fand die 9. Ausgabe dieses televisiven Solidaritäts-Megaereignisses statt. Das selbstgesetzte Ziel, die im letzten Jahr gespendeten knapp 70 Mio. Pesos zu übertreffen, wurde mehr als erreicht. Am Ende der 24stündigen TV-Veranstaltung waren fast 100 Mio. Pesos eingegangen, rund 3,9 Mio. Euro.

Mit diesem Geld soll der Bau des ersten Teletón-Zentrums im Landesinneren (in Fray Bentos) fertiggestellt (s. Uruguay-Magazin v. 1. 1. 2010) sowie die Ausstsattung des Zentrums in Montevideo erweitert werden.

Vom Mann auf der Straße bis zu Großunternehmen

...haben fast alle gegeben, was sie konnten. Gespendet werden konnte auf die verschiedenste Weise, u.a. über verschiedene 0900-Telefonnummern, aber auch durch Einkäufe in bestimmten Geschäften, die in den letzten Tagen vor dem TV-Ereignis einen bestimmten Prozentsatz ihrer Einnahmen der Teletón zukommen liessen, darunter die Medierías SiSi, das Punta Carretas Shopping Center, die Tankstellenkette Petrobras Uruguay und die Zahlstellenkette Abitab.

Ohne die Unternehmensspenden wäre der Betrag von 100 Mio. Pesos nicht zustande gekommen. Neben den bereits erwähnten waren wichtige Sponsoren und Geldgeber u.a. die Tageszeitung El País und die Handyfirma Claro Uruguay.

Auch die Nationalfußballer haben ihr Scherflein beigetragen: Sie versteigerten den Ball, der im denkwürdigen WM-Spiel Uruguay gegen Ghana benutzt worden war und schenkten den Erlös der Teletón. Mannschaftskapitän Diego Lugano hatte bei einem Besuch des Teletón-Zentrums in Montevideo das Nationalgefühl auf den Punkt gebracht, indem er sagte er möchte “eine der sozialen Errungenschaften kennenlernen, die die Uruguayer am meisten mit Stolz erfüllen” (s. Webseite der Teletón Uruguay).

Die große Überraschung der Teletón-Kampagne dieses Jahres ereignete sich wenige Minuten vor Schluß des Fernsehmarathons, als ein anonym bleibender Spender eine Million US-Dollar stiftete...

Ein nationales Ereignis

Die Teletón-Fernsehübertragung war wieder eine Gemeinschaftsproduktion aller wichtigen uruguayischen TV-Kanäle. 24 Stunden lang gab es hier nichts anderes zu sehen.

Es wurden viele wirklich bewegende Fallbeispiele von Kindern und Jugendlichen dargestellt, die Dank der Rehamaßnahmen der Teletón wieder laufen können oder zumindest deutliche Verbesserungen ihres Gesamtzustands erzielt haben. Glückliche Eltern und strahlende Kinder vermittelten ein Gefühl von dem, was durch Solidarität doch noch erreicht werden kann.

Zwischen den Berichten traten uruguayische Künstler unter Verzicht auf ihre Gagen auf, und es gab Statements von bekannten Persönlichkeiten und Informationen über die Arbeit der Teletón, in der aktuell 600 Kinder und Jugendliche pro Jahr behandelt werden.

Nachtrag: Die uruguayische Wesenart

Was ich mit diesem Artikel (und vor allem mit diesem Nachtrag) zum Ausdruck bringen will: Den Uruguayern bedeuten ihr Land und ihre Leute, die Mit-Uruguayer, noch etwas. Sie sind alles andere als gleichgültig, resigniert und zynisch. Sie wollen aus sich und ihrem Land etwas machen (und sind ja auch dabei!), und sie fühlen auch, daß der Einzelne durchaus zählt und sein Quentchen zum Ganzen beitragen kann und soll.

Sie haben ein großes Herz für menschliche Angelegenheiten und die Belange ihres Landes. Das drückt sich z.B. im Sport aus (s. Fußball-WM), aber auch im Mitgefühl für wirklich bedürftige Menschen wie die Kinder der Teletón. Das geht über politische Parteizugehörigkeiten, soziale Schichten und Altersklassen hinweg.

Bei der Fußball-WM bibberte und freute sich das ganze Land mit seiner "Celeste", der Nationalmannschaft (s. Uruguay-Magazin v. 9. 6. 2010). Der vierte Platz wurde hier ehrlich gefeiert, mehr als in Spanien der Weltmeistertitel, und das ganz ohne Haß auf 'Rivalen' (von ein wenig Schadenfreude gegen die Argentinier einmal abgesehen).

An der Teletón und den Schicksalen der betroffenen Kinder nahm das ganze Land Anteil, vom einfachen Mann auf der Straße bis zum Großunternehmer, vom Colorado-Politiker bis zum Frenteamplista, vom Schuljungen bis zum Großvater. Das Rekord-Spendenergebnis ist der numerische Ausdruck davon. Was diese 'nüchterne' Zahl jedoch nicht wiedergibt, sind die Emotionen, die hier deutlich zu spüren waren, z.B. in den Äußerungen von befragten Menschen oder in den Tränen eines Fernsehmoderators.


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