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Auswandern nach Uruguay

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Tango: Eine uruguayische Erfindung, die die Welt eroberte

Geschrieben von Manfred Burger   
Erstellt: Mittwoch, 30. September 2009

Tango ist eine uruguayische Erfindung, die die Welt eroberte. Doch damit die Argentinier nicht beleidigt sind, wollen wie ihnen hier mal eine gewisse Co-Autorenschaft zugestehen ;-)

Seit gestern ist dieser südamerikanische Tanz auch Weltkulturerbe lt. UNESCO.

Und in diesem Artikel werden Sie interessante Dinge über den Tango erfahren, die Sie nie gedacht hätten.


Tango!

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Carlos Gardel: "Volver"
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Geschichte des Tango

Der Tango ist eine uruguayische Erfindung, auch wenn sich die Argentinier auf dem gegenüberliegenden Ufer des Río de la Plata darüber aufregen mögen. Dieser Bruderzwist über die Urheberschaft des Tango wird wohl nie enden, auch nicht durch die Beibringung historischer Fakten. Er ist -wie der Tango selbst- mit Emotionen aufgeladen.

Das Wichtigste ist jedoch, DASS der Tango erfunden wurde. In Uruguay ist er immer noch präsent.

Der Tango braucht nicht weiter vorgestellt zu werden. Den "zum Tanz geadelten Geschlechtsverkehr", wie er auch genannt wird, kennt jeder und assoziiert ihn mit elegentan Tänzern, schönen, in hautenge, geschlitzte Kleider gehüllten Damen, sinnlichen, gleitenden Bewegungen, sich in den Zwischenregionen des Anderen schlängelnden Beinen und passionsgeladenen Blicken.

Es gibt jedoch auch eine andere Art von Tango, die eigentlich die ursprüngliche ist. Sie klingt schwerer, dramatischer, vielleicht auch trauriger und erinnert mehr an klassische Musik als an die gängige Vorstellung von Tango. In den Montevideaner Tanguerías können Sie beide Formen kennenlernen: die klassische und die romantische. (Eine Verantwortung für gebrochene Herzen wird nicht übernommen.)

Bühnentango in Montevideo.

Foto: Bühnentango in Montevideo.

Die Tango-Texte handeln in der Regel von existentiellen Problemen: Wütende Frauen schwören den Männern, die sie 'verlassen' oder 'schlecht behandelt' haben, glühend Rache. Einsame Männer jammern ihren verflossenen Geliebten nach. Liebe, Haß und Leidenschaft, bis zum Wahnsinn gesteigert, sind vorherrschend, gefolgt von Gesängen über verlorene Hoffnungen und zerbrochene Existenzen.

Aber der Tango wäre nicht, was er ist, wenn es bei dieser Traurigkeit bleiben würde. Seine Kraft liegt darin, daß er diesen Schmerz in Energie und Lebensfreude transformiert. Und nebenbei bemerkt: Einen Tango tanzt man ja nie alleine...

In den Fußstapfen von Carlos Gardel

Carlos Gardel, der Übervater des Tango.Das unvergessene Tango-Idol von vielen ist Carlos Gardel (* 1883 † 1935), eine Art uruguayischer James Dean, der eine kometenhafte Karriere hatte und vorzeitig durch einen Unfall starb.

Abgesehen davon, daß seine Bühnen in Buenos Aires, Montevideo, Paris, London, New York und Madrid waren, protagonisierte er in den späten Zwanziger und frühen Dreißiger Jahren einige Mega-Produktionen der Paramount Pictures und war der erste 'Latin Lover' und Herzensbrecher der aufkommenen US-Filmindustrie.

Foto: Carlos Gardel (* 1883 † 1935), die "Nachtigall der Pampa", erste Gallionsfigur und bis heute Übervater des Tango ("Jeden Tag singt er noch besser"). Er brachte den Tango auf die internationalen Bühnen und Kinoleinwände in Europa (Spanien, Frankreich) und den Vereinigten Staaten und ging mit seinen Tango-Filmen für Paramount Pictures als erster "Latin Lover" in die Annalen der aufstrebenden US-Filmindustrie ein. Ein mißglückter Start auf dem Flughafen von Medellín (Kolumbien) bereitete seinem Leben am 24. Juni 1935 ein vorzeitiges Ende.

Immer charmant, immer mit perfektem Styling, seine unwiderstehliche Stimme und Dramen mit den Damen, das waren seine Markenzeichen.

Zu seinem Mythos trägt auch seine etwas komplizierte Herkunft bei: Er war der Sohn eines Estancieros im Valle Edén (nahe der uruguayischen Stadt Tacuarembó) und der Schwester von dessen Ehefrau. Um das außereheliche Kind vor der Familie und der Gesellschaft geheim zu halten, wurde der kleine Carlos dem französischen Dienstmädchen Bertha Gardes zur Erziehung übergeben. Diese gab hinterher (wegen der üppigen Erbschaft) Gardel und ihren eigenen Sohn, Charles Romuald Gardes, geboren am 11. Dezember 1890 in Toulouse, als ein und dieselbe Person aus.

Und sie tat dies mit ziemlichem Erfolg, da es ja auch niemanden gab, der widersprach: Carlos Gardel selbst war tot, und seine wirklichen Eltern hatten ihn ja weggegeben. Von seinen biologischen Verwandten -sofern diese überhaupt bescheid wussten- war niemand an einer posthumen Aufdeckung des wohlgehüteten Familiengeheimnisses interessiert.

Noch heute werden in praktisch allen Biographien von Carlos Gardel der 11. 12. 1890 als dessen Geburtsdatum und Charles Romuald Gardes als dessen bürgerlicher Name angegeben...

Carlos war ein klandestines Kind gewesen, das keinen Nachnamen hatte. Er hat sich den Namen Gardel später selbst zugelegt in Anlehnung an den Nachnamen seiner Ziehmutter.

In Uruguay als Kind uruguayischer Eltern geboren, von einer Französin erzogen und als deren Sohn reklamiert, in Buenos Aires aufgewachsen, wo ihm nach seinem Tod auch ein Mausoleum errichtet wurde - das führte zu Verwirrungen bezüglich seiner Nationalität, mit dem unvermeidlichen Ergebnis, daß drei Nationen ihn für sich beanspruchen. Existierende Dokumente belegen jedoch eindeutig, dass Carlos Gardel Uruguayer war.

Selbst um Gardels Tod bei einem Flugzeugzusammenstoß auf dem kolumbianischen Flughafen von Medellin am 24. Juni 1935 rankt sich das Mysterium. Es gibt verschiedene Hypothesen, wie es dazu kam. Eine besagt gar, Gardel habe sich mit seinem mitreisenden Produzenten Le Pera gestritten und eine Pistole gezogen, wobei der Schuß nicht den Producer, sondern den Piloten traf...

Foto: Der Olaya-Herrera-Flughafen in Medellín am 24. Juni 1935 um 14.58 Uhr. Die F-31 von SACO, mit Gardel an Bord, crasht in die "Manizales" von SCADTA.

Die durch Indizien und Zeugenaussagen am besten gestützte Hypothese ist jedoch, daß der tragische Unfall mit der politisch begründeten Rivalität der beiden beteiligten Piloten zusammenhing, des Kolumbianers Ernesto Samper Mendoza von der kolumbianischen Airline SACO (Sociedad Aérea Colombiana), der im Cockpit der F-31 saß, in der Carlos Gardel seine Rückreise nach Buenos Aires antreten wollte, und Hans Ulrich Thom, Pilot der deutsch-kolumbianischen Fluggesellschaft SCADTA (Sociedad Colombo Alemana de Transportes Aéreos).

Carlos Gardel

Foto: Das letzte Bild von Carlos Gardel (2. v. r.), Bogotá, 24. Juni 1935.

Thom hatte Samper mit gewagten Flugmanövern provoziert. Dieser wollte sich nicht lumpen lassen und beim Start um Haaresbreite über Thoms Maschine ziehen. Das klappte jedoch nicht wie vorgesehen. Stattdessen krachte seine F-31 in Ulrich Thoms "Manizales"...

Die Ursprünge des Tango

Etymologisch ist die Herkunft des Wortes "Tango" nicht ganz geklärt. Zumeist wird "Tango" auf das lateinische "tangere" (= "berühren") zurückgeführt.

Eine neuere und weit wahrscheinlichere Interpretation identifiziert jedoch als eine der Wurzeln des Tango die Bitt-Tänze afrikanischer Sklaven zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Montevideo (und auch Buenos Aires), die dazu dienten, Geld für den Freikauf der Ihren zu sammeln.

Über diese Brücke gelangt man nach Afrika und zu dem Bantu-Wort "tamgu" (= tanzen). Noch mehr: Die Schwarzen hier haben ursprünglich sowohl ihre Trommeln als auch ihre Tänze als "Tangos" bezeichnet... (Die in die Río-de-la-Plata-Region verschleppten Afrikaner stammten überwiegend aus Bantu-Gebieten.)

Aktenkundig ist, daß 1808 von der weißen Bevölkerung Montevideos gefordert wurde, die "Tangos" (= Tänze) der Schwarzen zu verbieten, da sie ein Verstoß gegen die öffentliche Moral seien.

Als Hauptbestandteile des musikalisch-kulturellen Gebräus, aus dem sich der Tango herausdestillierte, gelten die kubanische "Habanera" (eine schwarze Tanz-Liedform), der "Tango Andalúz", die nur in Uruguay existierende schwarze Tanz-Pantomime "Camdombe" und die -ebenfalls typisch uruguayische- "Milonga", ein musikalisches Stehgreifduell zweier Sänger, mit einer dem Tango durchaus vergleichbaren Thematik.

Das Instrument, das dem Tango seinen unverwechselbaren Flair von Nostalgie und Sinnlichkeit verleiht, ist die 1846 von dem Krefelder Hans Band entwickelte Knopfharmonika: das Bandoneón. Kaum ein anderes Instrument unterlegt so eindringlich und dabei so unsentimental Klage und Verlust, Passion und Leidenschaft.

Das Bandoneón, die musikalische Seele des Tango.

(Zur Bildvergößerung bitte hier klicken.)

Foto: Das Bandoneón, die musikalische Seele des Tango.

Der erste Tango

Das erste als "Tango" definierte Musikstück wurde 1886 in Montevideo komponiert. Und die international als "Hymne" des Tango geltende "La Cumparsita" stammt aus der Feder des Montevideaners Gerardo Hernán Matos Rodríguez (* 28. 3. 1897 † 25. 4. 1948), der die erste Fassung des Liedes in Ermangelung besser geeigneter Schreibutensilien auf eine Serviette des Restaurants "La Pasiva" an der Plaza Independencia kritzelte.

Das Stück wurde 1917 in einer Montevideaner Schwarzen- und Arbeiterbarracke uraufgeführt. In den 20er Jahren war das Stück dann ein Riesenhit in Paris, Buenos Aires etc. Für nur 20 Pesos hatte der Komponist die Rechte an seinem Werk an den Breyer-Verlag verkauft...

Die ältere Schwester Montevideos, Buenos Aires, versucht seit eh und je Montevideo ihren Rang als Geburtsstätte des Tango streitig zu machen - leider jedoch mit unhaltbaren Behauptungen. So deklarierten die Argentinier z.B. Carlos Gardel zu ihrem Landsmann. Seine -neben anderen aussagekräftigen Dokumenten- im uruguayischen Kulturministerium verwahrte Geburtsurkunde läßt jedoch keine Zweifel über seine Nationalität zu.

Hommage an den sinnlichsten aller Tänze: Tango-Collage.

Tango-Collage: Hommage an den sinnlichsten aller Tänze.

Dasselbe passierte mit Gerardo Mattos Rodríguez und seiner "Cumparsita". Noch bei der Fußballweltmeisterschaft "France '98" marschierten die Argentinier zu den Klängen der "Cumparsita" als vermeintlich argentinischem Musikstück auf, mußten jedoch nach einer diplomatischen Intervention Uruguays ihren 'Irrtum' einräumen. Zur 'Versöhnung' wurde mitten im Zentrum Montevideos, nur einen Block von der Plaza Independencia entfernt (Av. 18 de Julio Ecke Andes), im Auftrag des argentinischen Staats eine Gedenktafel angebracht, in der der Komponist Mattos und seine "Cumparsita" als uruguayisch gewürdigt werden.

Zwei Jahre später, bei den Olympischen Sommerspielen "Sydney 2000", war die Diplomatie jedoch bereits wieder vergessen: Erneut präsentierten sich die argentinischen Sportler zur Melodie der "Cumparsita"...

Der verbotene Tango

Der Tango blickt auf eine beachtliche Tradition zurück. Der erste, der als solcher definiert wurde, wurde 1886 komponiert. Und was schon seit langem als "Hymne" des Tango gilt, "La Cumparsita", stammt aus dem Jahre 1917.

Bereits 1907 wurden (in Paris) die ersten Tangos auf Schallplatte aufgenommen, vorgetragen von dem Ehepaar Gobbi unter der musikalischen Begleitung von "Tango-Papa" Gregorio Viloldo. Kurz darauf organisierten die Señores Gobbi auch das erste Tango-Tanzturnier des Alten Kontinents.

Wie es mit vielen aus den 'niederen' Volksschichten entstandenen Musik- und Kunstrichtungen der Fall war, wurde der Tango in den ersten Jahrzehnten seiner Existenz von den höheren sozialen Schichten als 'unziemlich', ja sogar als 'obszön' betrachtet. Bis in die beginnenden Zwanziger Jahre wurde er (das Folgende ist nicht für Minderjährige geeignet!) praktisch ausschließlich in Bordellen getanzt (daher auch sein früherer Beiname "Das Bordell-Reptil"), wo die dort arbeitenden Damen das sinnliche Potential des Tango geschickt für ihr Marketing einsetzten.

Für 'anständige' Frauen war der Tango, so glaubte man damals, tabu. Aus diesem Grund tanzten die Männer in der Öffentlichkeit den Tango nur - mit anderen Männern! Das war rein praxisorientiert, diente es doch der Auffrischung der eigenen Kenntnisse für die nächtlichen Ausflüge in den Rotlichtbezirk und der Unterweisung von Neulingen.

In den Zwanziger Jahren begann sich dies zu ändern. Der Tango wurde gesellschaftlich akzeptiert und eroberte die Tanzlokale im Sturm. Die 'Goldene Ära' des Tango waren die Vierziger Jahre, als der Tango hier in der Region -Uruguay und Argentinien- omnipräsent war.

Tango - Forever Young

Der Tango ist nie gestorben. Im Gegenteil: In den 80er und 90er Jahren erlebte er ein mächtiges Comeback und gewann auch viele neue Anhänger/innen in Westeuropa und Nordamerika, wo die Tangoschulen und -lokale wie Pilze aus dem Boden schossen.

Carlos Gardel hätte sich vielleicht nicht vorstellen können, daß Tango auch in legerem Outfit oder gar in ausgewaschenen Jeans praktiziert werden kann...

Doch das menschliche Wesen hat sich in seiner Essenz nicht geändert, und der Tango ist mit den Grundpfeilern der menschlichen Existenz verwoben:

Emotionen und Erotik

Modernes Tangopärchen aus Uruguay.

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Foto: Modernes Tangopärchen.

Tango in Deutschland

Juan Dietrich LangeAuch in Deutschland hat dieser Uruguay-Export nachdrücklich Spuren hinterlassen: Der erste Tango-Tanzlehrer, der hier Anfang der Achziger Jahre das neue "Tangofieber" auslöste (und dies noch immer rege tut), ist ein Uruguayer, der seit Anfang der 70er Jahre in Berlin lebt: Juan D. Lange gründete 1983 seine Tangoschule "Estudio Sudamérica", "und beinahe alle Tangotänzer und Tangolehrer in Deutschland haben bei ihm begonnen", schreibt Horacio Ferrer in seinem Buch "Tango" (Amsterdam 1989).

Einen lesenswerten Artikel aus der "Zeitschrift für KulturAustausch", in dem Juan Lange seine Erfahrungen beschreibt, finden Sie hier.


Stimmungsproduktion des italienischen "Corriere della Sera" mit dem bekannten uruguayischen Bandoneonisten Edison Bordón.

(Zur Bildvergößerung bitte hier klicken.)

Bild Stimmungsproduktion des italienischen "Corriere della Sera" mit dem bekannten uruguayischen Bandoneonisten Edison Bordón.

 


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