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Auswandern nach Uruguay

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Berlin: Donnerstag 19.07.18 11:52 | Montevideo: Donnerstag 19.07.18 06:52

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Brasilien zwischen Grossmachtträumen und sozialem Defizit

Geschrieben von Martin   
Erstellt: Mittwoch, 1. August 2007

Dualität in einem Land , in dem die soziale Ungleichheit weiterhin ganz gross ist. Brasilien beschleunigt mit der Wiederaufnahme seiner Nuklearprogramme seine Ambitionen eine regionale Grossmacht zu werden, gleichzeitig versucht es vergeblich die Probleme der Gewalt, Korruption und sozialen Ungerechtigkeit in den Griff zu bekommen.
(Quelle: Auszug El País)

“Brasilien ist nicht das einzige Land, das zugleich Macht und Schande darstellt, Südafrika hatte seinerzeits mit der Apartheitspolitik ein ähnliches Problem”, sagt Senator Christo vam Buarque, Ex-Minister für Erziehung in der Regierung vom derzeitigen Präsidenten Lula da Silva und aktueller Regierungskritiker, der die gigantischen Investitionsprogramme in dem Nuklearsektor und die immensen sozialen Defizite als “Schizophrenie” bezeichnet.

Lula verkündete vor kurzem die Freisetzung grosser Geldfonds, die dazu dienen sollen ein atomgetriebenes U-Boot zu bauen, die Anreicherung von Uran voranzutreiben und grünes Licht für die Wiederaufnahme des Baus der dritten Nuklearanlage “Angra 3” zu geben, die seit ca 20 Jahren brachliegt.

All diese Projekte dienen nur der wachsenden Anerkennung des Landes, dessen Führer im Kampf gegen die Agrarsubventionen der Industrienationen sich weder zu Schade waren sich mit den USA zu verbünden, um für Ethanol als Alternative zum Erdöl zu werben, noch um Verbindungen mit der EU einzugehen. Auch fühlt sich das Land stark genug einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat zu fordern. Diese Initiativen gehen gemeinsam einher mit den gigantischen infrastrukturellen Bauvorhaben - die Kanalisation des Río San Fransisco im trockenen Nordosten und dem Bau zweier Wasserkraftwerke am Río Madera an der Grenze zu Bolivien. Man hofft so die Stellung als zehntgrösste Weltwirtschaftsmacht zu untermauern, die ein Bruttosozialprodukt von mehr als 1Billion $ aufweisen kann.

Für Buarque sind die Investitionsprogramme zwar notwendig, werden aber den Ärmsten von wenig Nutzen sein bei dem alltäglichen Ausschluss aus dem Erziehungs-, Gesundheits- und Sicherheitssystem. ”Wir haben 30 Millionen Menschen, die in Brasilien in der ersten Welt leben und über 150 Millionen in der Vierten , alle getrennt durch einen goldenen Vorhang. Wir haben einen Atomreaktor, während das Schulsystem erbärmlich ist”, unterstreicht der Ex-Minister seine Meinung, der u.a auch für eine Erneuerung des Erziehungssystems eintritt.

Die soziale Zerbrechlichkeit drückt sich auch in dem maroden Rechtssystem aus, das denjenigen Tür und Tor öffnet, die sich gute Anwälte leisten können, während sich die Gefängnisse in Drogenumschlagsplätze der Favelas verwandeln. Einem Rechtssystem, dem es in den letzten Jahrzehnten nicht gelang einen der zahlreichen wegen Korruption angeklagten Politiker zu verurteilen. Dem Kolumnist Merval Pereira gelingt es eine Ähnlichkeit der derzeitigen Politik mit der des damaligen Diktators Ernesto Geisel (1974- 1978) herzustellen. “In dieser Epoche baute man auch besonders viele Prestigeobjekte, die wohl von den eigentlichen Problemen ablenken sollten. Das würde beweisen, dass Geisel entweder seiner Zeit voraus war oder die aktuelle Politk rückständig ist ”, schliesst der Kolumnist.

Die zwei Gesichter Brasiliens:

1. Nuklearanlage Angras

Mit dem Bau von Angras 1 begann man im Jahr 1956 und beendete den Bau 1985. Angras 2 wurde im Jahr 2000 eröffnet. Beide liefern nur 2,2 % des gesamten brasilianischen Strombedarfs. Ende Juni beschloss die Regierung die Fortsetzung des Baus der dritten Anlage, die 20 Jahre lang ruhte. Die geplanten Bauvorhaben werden 3,5 Milliarden $ übersteigen.

2. Energie

85 % der erzeugten Energie stammt aus Wasserkraftwerken. Man glaubt, dass diese Form der Energiegewinnung, wegen Knappheit, bis zum Jahr 2020 weitgehend wegfallen wird. Ein Pluspunkt für die Kernenergie.

3. Atom U-Boot

Lula verkündete ein 540 Millionen $ Programm zur Urananreicherung. Dieser Plan gehört hauptsächlich in den Bereich der nationalen Verteidigung, der den Bau eines atomgetriebenen U-Bootes vorsieht.

4. Soziale Ungleichheit

Das Bruttosozialprodukt Brasiliens beträgt mehr als 1 Billion $. 45 % davon konzentrieren sich auf die 10 prozentige Oberschicht.

5. Armut

In den ersten Jahren seiner Amtszeit schaffte es Lula 19,2 % der Brasilianer aus der gröbsten Armut zu befreien, trotzdem leben weiterhin 43 Millionen der Einwohner unter ärmsten Bedingungen. Es besteht eine riesige Kluft zwischen arm und reich.

6. Jurisdiktion

In den letzten 39 Jahren wurden 137 Politiker ( Minister und Parlamentarier) angeklagt. Keiner von ihnen wurde jemals veruteilt.

Letzte Meldung:

Brasilien veröffentlicht eine Liste von Sklavenhaltern

In diesem Monat veröffentlichte das Arbeitsministerium eine Liste von 192 natürlichen und juristischen Personen, die dabei entdeckt wurden, dass sie ihre Arbeiter unter sklavenhalterähnlichen Umständen leben und arbeiten liessen. In den letzten Jahren befreite man mehr als 20 000 Menschen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten mussten.

Umweltschutzvergehen und Sklavenhaltertum gehen meist gemeinsam einher und finden sich oft in den neuerschlossenen Agrarzonen von Amazonien, Cerrado und in den Gebieten, wo exzessiver Kahlschlag von Tropenhölzern betrieben wird. Die Personen, die sich auf der sogenannten “Dreckigen Liste” finden können keine Anleihen von offiziellen Banken mehr erhalten.

Die Sklaverei wurde in Brasilien vor 120 Jahren abgeschafft.

 


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