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Auswandern nach Uruguay

Auswandern nach Uruguay

Berlin: Freitag 20.07.18 00:57 | Montevideo: Donnerstag 19.07.18 19:57

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Einfuhr von persönlichem Umzugsgut nach Uruguay

Geschrieben von Manfred Burger   
Erstellt: Dienstag, 2. Juni 2009

Einwanderer können einmal persönliches Umzugsgut zollfrei nach Uruguay einführen. Dazu müssen sie noch keine Daueraufenthaltsgenehmigung besitzen. Es reicht, wenn diese bei der Einwanderungsbehörde beantragt ist bzw. wenn man einen Termin für die Antragstellung hat.

Genau gesagt hat man vom Zeitpunkt der Terminbeantragung an bis zu einem Jahr nach Bewilligung der Daueraufenthaltsgenehmigung Zeit, seine persönliche Habe nach Uruguay zu bringen, gemäß der verläßlichen Auskunft meiner uruguayischen Umzugsfirma (s.u.).

Uruguay ist noch weitgehend unbekannt

Den meisten internationalen Spediteuren fehlt es an Erfahrungen mit Uruguay, da dieses Land immer noch sehr selten bis gar nicht nachgefragt wird. Deswegen ist es am besten Ihr Umzugsgut von Ihrem Spediteur nur bis zum Hafen von Montevideo verschiffen zu lassen und mit dem 'Rest' ein ortsansässiges Unternehmen oder zumindest einen Zollagenten zu beauftragen.

Jemand mit intimen Kenntnissen und Beziehungen vor Ort kann Ihnen bei der Einfuhr Ihrer persönlichen Habe viel Ärger und Kosten ersparen. Außerdem brauchen Sie auf jeden Fall einen Zollagenten, denn nur solche dürfen im Zoll die nötigen Behördengänge erledigen. Als Privatmann kann man da überhaupt nichts ausrichten.

Vorgehen und Bestimmungen

Das gesamte Umzugsgut / Containerinhalt muß in einer detaillierten Packliste aufgeführt werden. Diese muß in's Spanische übersetzt sein.

Wenn Sie schon die Daueraufenthaltsgenehmigung für Uruguay haben, muß die Packliste außerdem vom uruguayischen Konsulat Ihres Bundeslandes legalisiert sein. Ferner benötigen Sie eine konsularisch beglaubigte Bescheinigung darüber wie lange Sie in Deutschland bzw. Ihrem Herkunftsland gelebt haben. Wenn Ihr Antrag auf Erteilung einer Daueraufenthaltsgenehmigung für Uruguay noch bearbeitet wird, benötigen Sie das nicht.

Einzeln aufgeführt werden müssen (mit genauen Mengenangaben):

  • Alle elektrischen und elektronischen Geräte unter Angabe von Hersteller und Modell bzw. Seriennummer.
  • Alle Möbel und Gartenmöbel.
  • Alle besonderen Werkzeuge und Maschinen, die in einem Haushalt normalerweise nicht vorhanden sind. Für diese muß außerdem ein in's Spanische übersetztes und überbeglaubigtes Zertifikat beiliegen, daß diese zur Ausübung des Berufs oder eines Hobbies gebraucht werden (z.B. Schweißgeräte, Schreinerwerkzeuge, Sägen etc.). Ansonsten müssen diese möglicherweise verzollt werden.

Einzeln aufgeführt und verzollt werden müssen in der Regel:

  • Schußwaffen aller Art.
  • Alles, was einen Verbrennungsmotor hat (vom Import von KFZ rate ich grundsätzlich ab.)

Summarisch aufgeführt werden müssen (wobei alle Umzugskartons auf Spanisch beschriftet sein müssen):

  • Bekleidung  (ropa)
  • Küchenartikel  (artículos de cocina)
  • Bettwäsche  (ropa de cama)
  • Toilettenartikel  (artículos de baño y de higiene personal)
  • Kosmetika  (cosméticos)
  • Handtücher  (toallas)
  • Tischdecken, Küchentücher  (ropa de cocina)
  • Werkzeuge für den Hausgebrauch  (herramientas)
  • Büroartikel für den Hausgebrauch  (artículos de oficina y papelería)
  • Etc.

Weiter ist zu beachten

  • Keine realen Werte deklarieren! Der deklarierte Gesamtwert des Containerinhalts sollte möglichst unter 10.000 USD liegen, da 50% des deklarierten Werts in der staatlichen Versicherungsbank (BSE) hinterlegt werden müssen, bis man seine endgültige Aufenthaltsgenehmigung hat.
  • Das Nettogewicht des Containerinhalts muß angegeben werden.
  • Das Konnossement (span.: Conocimiento de embarque, eng.: Bill of Lading) bzw. eine nicht übertragbare Kopie desselben sollten Sie baldmöglichst per Kurierdienst (DHL, UPS, FedEx) an Ihren uruguayischen Spediteur / Zollagenten schicken, damit dieser es prüfen und schon einige Dinge vorbereiten kann. Es muß nicht überbeglaubigt sein.
  • Ebenso sollten Sie Ihrem Spediteur / Zollagenten hier vor Ort Ihre Packliste so bald wie möglich zukommen lassen, damit mögliche Probleme im Vorfeld identifiziert und aus dem Weg geräumt werden können. Wie schon erwähnt, selbst große internationale Speditionen kennen sich i.d.R. mit Uruguay nicht aus. Das hat schon zu manchen Komplikationen und vermeidbaren Zusatzkosten geführt.

Rückzahlbare Kaution

In der staatlichen Versicherungsbank ("Banco de Seguros del Estado" - BSE) müssen 50% des deklarierten Werts der Fracht als Sicherheit hinterlegt werden, wenn Sie noch keine Daueraufenthaltsgenehmigung für Uruguay besitzen. Diese werden zurückgezahlt, sobald Sie Ihre endgültige Daueraufenthaltsgenehmigung erhalten.

Die dafür anfallenden (nicht teuren) Gebühren sind nicht rückzahlbar.

Statt die Kaution bar einzuzahlen kann man auch eine Bankgarantie beibringen (z.B. von der Staatsbank BROU), oder man kann in entsprechender Höhe uruguayische Staatsanleihen kaufen und diese als Sicherheit hinterlegen - dann allerdings für einen Gegenwert von 100% des deklarierten Werts des Containerinhalts.

Wenn Sie schon "Residente legal" sind, d.h. eine Daueraufenthaltsgenehmigung für Uruguay besitzen, müssen Sie keine Kaution hinterlegen oder dergl., aber in diesem Fall muß Ihre Packliste konsularisch überbeglaubigt sein, und dasselbe Konsulat muß Ihnen auch bestätigen, daß Sie bis zu diesem Tag Ihren Hauptwohnsitz außerhalb Uruguays hatten.

In der Praxis hat sich das jedoch als komliziert erwiesen, weswegen es vorzuziehen ist sein Umzugsgut schon nach Uruguay zu bringen, während der Antrag auf Erteilung einer Daueraufenthaltsgenehmigung noch in der Einwanderungsbehörde läuft.

Empfohlene Speditionen und Kosten

Für Deutschland, die Schweiz und die USA kann ich guten Gewissens die ITO Möbeltransport GmbH (= ITO Movers) empfehlen. Diese Firma hat sich nach bisherigen Erfahrungen als zuverlässig und kompetent erwiesen und ist eine Spedition mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis.

Auf deren zweiter Webseite, www.umzug-uebersee.de, kann man die voraussichtlichen Kosten für den Umzug vom bisherigen Wohnort bis zum Hafen Montevideo selbst berechnen, wobei man zwischen Selbstbeladung des Containers (Basis-Paket) und Komplettservice wählen kann.

Für Spanien empfehle ich MarMedSA (www.marmedsa.com) oder MSC (www.mscspain.com).

Für die Abwicklung Ihrer Angelegenheiten in Uruguay empfehle ich AutoGiro, eine international operierende Speditionsfirma mit Sitz in Montevideo, die schon seit über 80 Jahren besteht.

Auf der Webseite der uruguayischen Hafenbehörden können Sie die vollständige Liste der zugelassenen Zollagenten ("Despachantes de Aduana") einsehen wie auch die der hier operierenden Schiffsagenturen ("Agencias Marítimas").

Übrigens: Die meisten Despachantes geben sich mit persönlichem Umzugsgut nicht ab und wickeln nur Im- und Exporte von Waren ab.

Bitte bedenken Sie, daß die in Uruguay anfallenden Kosten für Hafengebühren und Zollabwicklung plus Transport zu Ihrem neuen Domizil in der Regel höher liegen als die Frachtkosten von Europa bis Montevideo. Für eine grobe Kostankalkulation werden Angaben über die Größe Ihres Containers bzw. Seekiste benötigt sowie eine detaillierte Packliste (s.o.).

Gegen ein moderates Honorar helfe ich Ihnen gerne bei der Kontaktaufnahme und Abwicklung sowie beim Erstellen und, vor allem, Übersetzen Ihrer Packliste, was sich oft als ziemlich fitzelige Angelegenheit erweist, vor allem wegen der im Uruguay-Spanisch zu verwendenden Begriffe. Mit einem Deutsch-Spanisch-Wörterbuch kommt man hier nicht weit.

Nachtrag

Wenn man mit dem Möbelwagen nach Uruguay umziehen will, z.B. von Paraguay oder Argentinien, muß man vorher in Montevideo alle Behördengänge erledigen und die fälligen Gebühren bezahlen, sonst muß der Lkw am Grenzübergang stehen bleiben, bis das alles über die Bühne ist - und das kostet.


Alle Angaben nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.


Weitere Beiträge zu den Themen "Auswandern / Einwandern" und "Leben in Uruguay" in diesem Magazin:

Kommentar von Ralph, 3. Juni 2009: 

Hallo Manfred,
super Artikel, keine Frage, wieder einmal ein klasischer
Mc. Burger.
Vielen Dank.

Eine Kleinigkeit fehlt mir aber:

Sie können Ihren Container bis spätestens ein Jahr nach Erwerb der permanenten residencia zollfrei einführen.
D.h.: Wenn Sie sich unsicher fühlen, dann lassen Sie sich einfach Zeit.
Die temporäre kann man locker ein Jahr oder mehr in die Ldoänge ziehen. Südamerika ist nicht Europa, die werfen Sie dort nicht raus.
Danach kommt die permanente, kann auch dauern und warten.
Wenn sie sich Zeit lassen wollen,
dann können Sie den Container auch zu einem Zeitpunkt einführen,
an dem Sie tatsächlich schon 3 Jahre in Uruguay leben
und wirklich 100% sicher sind,
dass Sie in Uruguay bleiben wollen.
Ich empfehle jedem, langsam zu machen.
Erst nach zwei - drei Jahren wissen Sie ganz genau,
was Sie in den Container packen woll(t)en -
oder ob Sie Ihre Habe gar nicht erst nach Uruguay
verschifft hätten sollten.

LG Ralph 


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