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Die im Volksmund “Raid” genannten Pferderennen, die hauptsächlich im Landesinneren ausgetragen werden, sind ein Massenphänomen. Die Distanzen sind ähnlich wie bei internationalen Wettkämpfen, doch ist das Reglement völlig unterschiedlich.
Leider ist es für Touristen selten möglich eines dieser Rennen zu beobachten, da sie nur in den kühleren Monaten ausgetragen werden und man früh aufstehen muss, um den Start mitzuverfolgen.
In den Jahren 1913 bzw. 1914 fanden die ersten beiden Rennen mit 13 Teilnehmern in Sarandí Grande, im Departament Flores, statt. Nach einigen Jahren Pause belebte man die Rennen 1935 wieder und 1984 bei der fünfzigjährigen Jubiläumsveranstaltung starteten unglaubliche 106 Teilnehmer, darunter ein Chinese.
Die ganze Veranstaltung zieht sich meist über 3-4 Tage, wobei den Teilnehmern und Beteiligten einiges abverlangt wird. Am Tag der Anreise erfolgt die Verfrachtung der Pferde in die Ställe, am darauffolgenden Tag ist die Präsentation der Pferde und Reiter, die umrahmt wird von kleineren Rennen über kürzere Distanzen (8-20 km). Am späteren Abend beginnt das eigentliche Spektakel mit der Nummernvergabe und den Wetteinsätzen, die der Rematador lauthals in die Menge schreit, die sich daran anschliessende Tanzveranstaltung (Baile) zieht sich dann bis in den Morgen bis zum Start des Rennens.
Meist beläuft sich die Teilnehmerzahl auf 30 bis 40 Reiter. Interessant ist es besonders hinten auf den Pick-Ups, von wo aus die Pferde und Reiter während des Rennens versorgt werden. Den Pferden ist es erlaubt während des gesamten Rennens Wasser aufzunehmen, dies geschieht mittels eines langen Schlauches, der dem Pferd beim Laufen in das Maul geschoben wird. Das gesamte Prozedere verlangt viel Geschick von Pferd, Reiter und dem Fahrer des Begleitfahrzeuges. Die Begleitmannschaft auf den Pick-Ups ist übrigens, wie bei einem Formel Eins Rennen völlig aufeinander eingespielt. Sollte sich z.B. auf dem manchmal wechselnden Bodenbelag ein Hufeisen lösen, so wird das Problem in minutenschnelle behoben.
Helme sind übrigens keine Pflicht, sie würden auch nicht zu dem Bild des Reiters passen, der in seinen weiten Reithosen (Bombacha) dem Klischee vom Gaucho vielfach noch sehr nahe kommt.
Während des einmaligen Vet-Checks (Überprüfung des Allgemein- und Gesundheitszustandes durch einen offiziellen Veterinär) kommt es zu wahren Wasserschlachten, bei denen mit allen möglichen, erlaubten Tricks versucht wird den Pulsschlag des Pferdes zu senken, damit das Rennen fortgesetzt werden kann.
In der letzten verbleibenden Etappe von 30 km, geht es dann richtig zur Sache, die Durchnittsgeschwindigkeiten werden auf 40 km/h und mehr erhöht und in wilder Jagd preschen die dann noch im Feld verbliebenen Pferde, angetrieben vom Applaus und dem Geschrei der die Strassen säumenden Zuschauer ins Ziel.
Der Sieger erhält vor allem Anerkennung und Ehre, der höchstausgezahlte Geldpreis beträgt ca. 3 000 Euro, (ohne die Wetten, wobei es sich um andere Summen handelt). Für die Zuschauer ist dann nur noch der sich anschliessende Baile von Interesse, der sich wiederrum bis zum nächsten Morgen hinzieht, an dem die Siegerpferde lebend präsentiert werden müssen, andernfalls erfolgt keine Geldauszahlung.Alles in allem handelt es sich um ein Volksfest, bei dem die Reiterkarawane von Ort zu Ort zieht, um die Rennen auszutragen und den Jahressieger zu ermitteln.
Distanzen:
zwischen 60 km und 115 km, die meistgelaufene Strecke führt über 90 km.
Renndauer, inklusive eines 30 minütigen Vet-Cheks 3 Std und 40 min.(90 km)
Durchschnittsgeschwindigkeit (90 km) 30 km/Std, zum Vergleich bei den internationalen Enduros sind es 20 km/Std.
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