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Risikoreiches Experiment bei den Galápagosinseln

Geschrieben von Martin   
Erstellt: Sonntag, 29. Juli 2007
Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 5. März 2008

Ein amerikanisches Unternehmen will die Meeresgewässer in der Nähe der Galápagosinseln mit Eisen anreichern, um somit das Wachstum von Plankton zu beschleunigen und damit die CO2 Absorbierung zu erhöhen ( Quelle: Auszug Tierraamerika)

 

Am Ende diesen Monats will das amerikanischeUnternehmen Planktos, trotz massiver Proteste, ca. 100 t Eisenpulver in den Pazifischen Ozean schütten. Es ist dies der erste kommerzielle Versuch CO2-Gas, welches der Hauptverursacher für die Erderwärmung ist, zu reduzieren, indem man die Eisenpartikel benutzt, um auf einer Fläche von 10 000 Quadratkilometern das Wachstum von Plankton anzuregen. Planktos versichert, dass das zusätzliche Plankton mehr CO2-Gas aus der Erdatmosphäre aufnehmen wird und dieses in die Tiefen des Meeres bindet. Man hofft in dem Unternehmen eine geeignete Methode gefunden zu haben, um der globalen Erderwärmung erfolgreich entgegenwirken zu können.

“Die Strömungen werden wahrscheinlich das Plankton in das Marinereservat Galápagos treiben , mit 133 000 Quadratkilometern das drittgrösste der Welt “, sagt Washington Tapio der Direktor des Nationalparkes. “ Wir haben keine Ahnung was passieren wird. Wir haben versucht uns mit Planktos in Verbindung zu setzen, um Näheres zu erfahren, was aber nicht geklappt hat,” erzählt Tapia in Puerto Ayora. Die 19 Inseln des Archipels, ca. 1000 km vor Ecuador im Pazifischen Ozean, sind ein einzigartiges Beispiel für die Entwicklungsgeschichte, die auch Charles Darwin zu seiner Evolutionstheorie inspirierten. “ Warum machen sie die Versuche so nah an dem Archipel, das zudem zum Weltkulturerbe erklärt wurde, “ fragt sich Pablo Barriga Koordinator der Fundation Galápagos, mit Sitz in Puerto Ayora. “ Es ist unmoralisch, dass ein Unternehmen, das auf Gewinn aus ist, derartige Experimente so nah an den Inseln ausführen darf ”, meint Barriga.

Planktos ist in dem neuen Geschäft der Kohlenstoffbindung und pflanzt vorwiegend Bäume in Osteuropa an, die während sie wachsen CO2 aus der Erdatmosphäre absorbieren und je nach Baumart 60- 80 Jahre bindet. So kann Planktos CO2- Kredite an Unternehmen verkaufen, die somit ihre eigenen Emissionen kompensieren können, mit dem Ziel die internationalen Normen zu erfüllen.

In den letzten 20 Jahren hat man die Bindung von CO2 im Ozean schon an Hand kleinerer Projekte ausprobiert. Die meisten Ergebnisse zeigen, dass bei Hinzufügen von Eisen in Gewässern mit Eisendefizit das Wachstum von Plankton beschleunigt wird, daraus folgt dann ein Ansteigen des CO2 Konsumes während der Photosynthese und der Kreis schliesst sich in dem das Plankton das CO2 aus der Erdatmosphäre absorbiert. Aber mit der Wahl des Standortes für das Experiment hat das Unternehmen eine Reihe vom Protestaktionen ausgelöst. ” Es besteht ein reales Risiko, dass der Versuch einen Dominoeffekt in der Nahrungskette auslösen könnte”, erklärt die Meeresbiologin Sallie Chrisholm. Der Versuch bedroht unser Klima, unsere Marinefauna und - flora und die Gewässerhoheit unserer Fischer und muss sofort gestoppt werden “ , versichert Elisabeth Bravo von der ecuatorianischen Accíon Ecológica in einer schriftlichen Erklärung.

Planktos versichert, dass es nur versucht das Ungleichgewicht zu korregieren, welches durch menschliche Eingriffe in die Natur verursacht wurde. So hat sich in den letzten 30 Jahren die natürliche Aerosol von Eisen um 30 % verrringert, das führte dazu, dass in verschiedenen Regionen bis zu 50 % des Planktons starben. Eine der am heftigsten betroffenen Regionen liegt etwa 500 - 600 km westlich der Galápagosinseln, wo jetzt Planktos plant 100 t Eisenpulver ins Meer zu kippen. Dies ist nur eines von sechs weiteren Experimenten mit Eisen, das die Firma in den nächsten Jahren plant. Das Unternehmen glaubt, dass so die Werte wieder auf den Stand von 1980 zurückkehren und die daraus resultierende Biomasse jährlich 3 - 4 Millionen Tonnen CO2 aus der Erdatmosphäre zieht, und sich somit die Erderwärmung um fünfmal mehr verlangsamen wird als es das Kyotoprotokoll vorsieht.

In einem Artikel der “Science” vom vergangenen Februar kamen Wissenschaftler an hand von Experimenten, die zwischen 1993 und 2005 durchgeführt wurden, zu dem Schluss, dass mehr Studien notwendig seien, weil die Anreicherung mit Eisen das CO2 zwar eliminiert, aber man weiss nicht für wie lange. Planktos kontrolliert die Effekte seiner Versuche normalerweise nur durchschnittlich sechs Monate.

“Das ganze Projekt müsste eigentlich unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen vorbereitet und durchgeführt werden ”, schreibt Victor Smetacek , Marinebiologe an der Uni Bremen in einer E-Mail . “ Es ist verfrüht die Fertilisierung von CO2 als Waffe zur Bindung von CO2 einzusetzen “, meint Ed Boyle vom Technologischen Institut in Massachusetts. “Man weiss noch viel zu wenig über die Auswirkungen, wenn Eisen in grossen Mengen der Nahrungskette zugeführt wird.”

Die UNESCO hat die Galápagosinseln erst am 26. Juni diesen Jahres auf die Liste der gefährdeten Weltkulturerben gesetzt, die durch Immigratrion, illegale Fischerei, Eindringen fremdartiger Lebewesen und nicht zuletzt durch den Tourismus verursacht wurden.

 

 

 


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