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Die
medizinische Versorgung in Uruguay ist auch gemessen an europäischen
Standards sehr gut oder sogar besser.
Montevideo
gilt als die Stadt mit der größten Ärztedichte der Welt,
und das scheint nicht übertrieben zu sein. Apotheken gibt es an fast jeder Ecke.
Notarztwagen müssen innerhalb weniger Minuten am Einsatzort
sein. Ähnliches gilt auch für das Landesinnere.
In
Uruguay werden auch schwierige Operationen gut und routinemäßig
durchgeführt (z.B. Herzoperationen, Organtransplantationen). Die
weltweit erste erfolgreiche Implantation eines Herzschrittmachers war
am 3. Februar 1960 in Uruguay vorgenommen worden, in einer Klinik des
CASMU (s.u.), und zwar von Dr. Orestes Fiandra und Dr. Roberto Rubio.
Das öffentliche Gesundheitswesen ist kostenlos, aber es ist ratsam
eine private Kranken- und Notfallversicherung abzuschließen.
Das
Krankenversicherungssystem ist ähnlich aufgebaut wie in Spanien: Man
hat in der Regel keinen Hausarzt, sondern eine Krankenkasse (span.
"Mutualista"), in der eine Reihe von Ärzten und Fachärzten
arbeiten, unter denen man sich seine Favoriten aussuchen kann. Die
Mutualistas verfügen auch über ihre eigenen Kliniken und
Notdienste.
Die Versorgung beinhaltet alles, was der Arzt anordnet,
auch Klinikaufenthalte, Zahnreparaturen plus eine Notfallversicherung
(der Krankenwagen muß innerhalb von 5 Minuten am Einsatzort sein).
Mutualistas sind
also keine Krankenkassen, wie man sie etwa in Deutschland kennt. Sie
sind vielmehr medizinische Privatunternehmen, die ihre eigene
medizinische Infrastruktur haben.
Eine
private Mutualista kostet pro Monat für einen Erwachsenen um die
45,- € (in Worten: fünfundvierzig), Notfallversicherung
inklusive. Ältere Menschen bezahlen ein bischen mehr. (Ein
Umzug nach Uruguay lohnt sich also rein finanziell schon wegen der
Krankenversicherung.) Die
Praxisgebühr beträgt ca. 5 €, die Rezeptgebühr in der Apotheke
liegt bei maximal ebenfalls etwa 5 € pro Medikament. Was darüber
hinaus geht, übernimmt die Kasse. Außerdem kann man hier viele
Medikamente rezeptfrei erhalten, die in Europa rezeptpflichtig sind.
Für
bestimmte Behandlungen (z.B. Röntgen, Zahn ziehen etc.) fallen nach
Tabelle jeweils eine bestimmte Anzahl von "Ordenes" an.
Eine Auslandskrankenversicherung für 90 Tage gibt es für ca. 500
Pesos (ca. 16 Euro), bei einer kompletten Abdeckung bis 10.000 USD!
Diese drei Monate kann man auch auf mehrere Reisen verteilen. Wer
sich länger im Ausland aufhalten will, muß die Gebühr nochmal
zahlen. (D.h. wer z.B. den Sommer in Deutschland verbringen will, muß
deswegen nicht seine deutsche KV weiter bezahlen und ist trotzdem
versichert.)
Das öffentliche Gesundheitswesen ("Salud Pública") ist kostenlos, aber davon sollte man sich nach Möglichkeit fern halten, da die staatlichen Kliniken leider wegen Geldmangel schlecht ausgestattet sind und das medizinische Personal schlecht bezahlt wird, was eine entsprechend geringe Motivation zur Folge hat.
Empfehlenswerte Mutualistas sind z.B.:
-
Medica
Uruguaya, Dank einer effizienten Geschäftspolitik und guter medizinischer
Dienstleistungen mittlerweise die größte private uruguayische
Mutualista, mit rund 300.000 Versicherten.
-
Asociación
Española, die älteste und eine der größten privaten Mutualistas in Uruguay, ebenfalls empfehlenswert.
-
CASMU,
die Mutualista des Verbandes der Ärzte und Gesundheitsarbeiter
und ebenfalls eine der größten Uruguays.
-
Hospital
Británico
(British Hospital), gilt vielen als die beste Klinik Uruguays, mit
modernsten Geräten ausgestattet. Sollten Sie sich in Montevideo
niederlassen, ist das "British" möglicherweise die
richtige Wahl für Sie.
-
IMPASA,
eine Mutualista für betuchte Leute.
-
Circulo
Católico
-
Hospital
Evangélico
CASMU und die Asociación Española gibt es fast im ganzen Land, die
übrigen sind vorwiegend bzw. ausschließlich in Montevideo
vertreten. Im Landesinneren gibt es ortsansässige Mutualistas.
Sie
sollten sich auf jeden Fall gut informieren und Leistungs- /
Preisvergleiche anstellen, bevor Sie irgendwo Mitglied werden. Die
oben angegebenen Tarife sind Richtwerte, wobei es von Mutualista zu
Mutualista Unterschiede gibt.
Weitere Beiträge zu den Themen "Auswandern / Einwandern" und "Leben in Uruguay" in diesem Magazin:
Frage von robless, Juni 2009:
Hallo,
ich werde im Oktober nach Uruguay auswandern. Die ersten ein bis zwei
Monate will ich dort intensiv spanisch lernen und im Anschluss mir dort
Arbeit suchen.
Nun stellt sich für mich die Frage, wie ich mich für die Zeit, in der
ich nicht arbeite krankenversichern soll und was es für Möglichkeiten
gibt, wenn man in Uruguay arbeitet.
Was für ein Krankenversicherungssystem gibt es in Uruguay? Gibt es dort
eine versicherungspflicht? Gibt es dort gesetzliche und private
Versicherungen?
Gruß
Rob
Antwort von =MaBu=, Juni 2009:
Hallo Rob,
es gibt hier die staatliche und kostenlose Gesundheitsversorgung
("Salud Pública") sowie medizinische Privatunternehmen ("Mutualistas"),
die ich nicht "Krankenversicherungen" nennen will, weil sie etwas
Anderes und mehr sind als das. (Das System ist ähnlich wie in Spanien.)
Von der "Salud Pública" sollte man sich so fern wie möglich halten. Es
mag hier zwar guter Wille vorhanden sein, aber es fehlt hinten und
vorne an Geld und Ressourcen. Das medizinische Personal wird sehr
schlecht bezahlt und ist dementsprechend schlecht motiviert. Die
öffentlichen Kliniken erinnern mehr an Notlazarette als an moderne
Krankenhäuser. Mit der Information, daß in der wichtigsten Klinik von
"Salud Pública", der Universitätsklinik "Hospital de Clínicas"
zerbrochene Fensterscheiben monate- oder jahrelang nicht ersetzt
werden, wie jeder sehen kann, der auf der Avenida Italia daran vorbei
fährt, ist schon alles gesagt in bezug auf den Zustand des öffentlichen
Gesundheitswesens.
Die guten privaten "Mutualistas" sind eine völlig andere Welt: modern,
medizinisch auf dem neuesten Stand und dennoch bezahlbar. Für rund 40
Euro pro Monat kann man sich hier versichern lassen,
Notfallversicherung inklusive. Ärztlich angeordnete Klinikaufenthalte
und Operationen sind zu 100% abgedeckt. Wenn man Arztbesuche macht, muß
man eine Praxisgebühr von rund 5 Euro bezahlen (in manchen Mutualistas
auch gar nichts), bei Überweisungen zu einem Facharzt ein wenig mehr.
Verschriebene Medikamente bekommt man gegen eine Rezeptgebühr von
ebenfalls ca. 5 Euro. Den 'Rest' übernimmt die Mutualista.
Man kann sich privat bei der Mutualista seiner Wahl versichern, und
auch wenn man irgendwo arbeitet. (In diesem Fall muß die Firma einen
Teil der Beiträge übernehmen.)
Merke: Man hat hier keinen Hausarzt, sondern eine Mutualista. Wenn man
einen Doktor konsultieren will, geht man in die nächstgelegene
"Policlínica" seiner Mutualista (oder in die "Policlínica" seiner
Wahl), wo die von der Mutualista unter Vertrag gehaltenen Ärzte ihre
Sprechstunden abhalten (siehe Aushänge). Wenn man während der
Sprechstunden seines Wunsch-Doktors hingeht, bekommt man es mit diesem
zu tun, und ansonsten halt mit dem Arzt oder der Ärztin, der/die gerade
Dienst schiebt.
Man kann auch entsprechende Termine machen. Und man kann sich natürlich
auch die private Telefonnummer seines Wunscharztes oder Ärztin geben
lassen. Dann bekommt man sozusagen durch die Hintertür doch noch so
etwas wie einen Hausarzt. Diese Dienstleistungen werden dann aber
natürlich privat abgerechnet und sind nicht durch die Monatsbeiträge
für die Mutualista gedeckt.
Bei Notfällen kommen die Doctores und/oder Notfallsanitäter der Mutualistas natürlich auch in's Haus.
Ich habe mit Ärzten jeder Couleur Gott sei Dank nur wenig Erfahrung - und ich hoffe, daß das auch so bleibt!
Frage von robless, Juni 2009:
Hola Manfred,
danke für deine Erläuterungen. Nun habe ich einen guten Überblick über das uruguayische Gesundheitssystem.
Wenn ich mich bei einer Mutualista versichern lasse, bin ich denn dann
auch im Ausland versichert? Also bin ich beispielsweise wenn ich als
Urlauber in Deutschland bin dann auch Krankenversichert, kann dort zum
Arzt gehen und kann die Kosten mit der Mutualista abrechnen?
Saludos
Rob
Antwort von =MaBu=, Juni 2009:
Hallo Rob,
wenn Du als Mitglied einer uruguayischen Mutualista in's Ausland reist,
mußt Du bei Deiner Mutualista für die entsprechende Reise eine
Auslands-KV beantragen.
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