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Auswandern nach Uruguay

Auswandern nach Uruguay

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Gesundheitswesen und Krankenversicherungen in Uruguay

Geschrieben von Manfred Burger   
Erstellt: Sonntag, 9. August 2009
Letzte Aktualisierung: Freitag, 4. Juni 2010

Die medizinische Versorgung in Uruguay ist auch gemessen an europäischen Standards sehr gut oder sogar besser.

Montevideo gilt als die Stadt mit der größten Ärztedichte der Welt, und das scheint nicht übertrieben zu sein. Apotheken gibt es an fast jeder Ecke. Notarztwagen müssen innerhalb weniger Minuten am Einsatzort sein. Ähnliches gilt auch für das Landesinnere.

In Uruguay werden auch schwierige Operationen gut und routinemäßig durchgeführt (z.B. Herzoperationen, Organtransplantationen). Die weltweit erste erfolgreiche Implantation eines Herzschrittmachers war am 3. Februar 1960 in Uruguay vorgenommen worden, in einer Klinik des CASMU (s.u.), und zwar von Dr. Orestes Fiandra und Dr. Roberto Rubio. Das öffentliche Gesundheitswesen ist kostenlos, aber es ist ratsam eine private Kranken- und Notfallversicherung abzuschließen.

Das Krankenversicherungssystem ist ähnlich aufgebaut wie in Spanien: Man hat in der Regel keinen Hausarzt, sondern eine Krankenkasse (span. "Mutualista"), in der eine Reihe von Ärzten und Fachärzten arbeiten, unter denen man sich seine Favoriten aussuchen kann. Die Mutualistas verfügen auch über ihre eigenen Kliniken und Notdienste.

Die Versorgung beinhaltet alles, was der Arzt anordnet, auch Klinikaufenthalte, Zahnreparaturen plus eine Notfallversicherung (der Krankenwagen muß innerhalb von 5 Minuten am Einsatzort sein). Mutualistas sind also keine Krankenkassen, wie man sie etwa in Deutschland kennt. Sie sind vielmehr medizinische Privatunternehmen, die ihre eigene medizinische Infrastruktur haben.

Eine private Mutualista kostet pro Monat für einen Erwachsenen um die 45,- € (in Worten: fünfundvierzig), Notfallversicherung inklusive. Ältere Menschen bezahlen ein bischen mehr. (Ein Umzug nach Uruguay lohnt sich also rein finanziell schon wegen der Krankenversicherung.) Die Praxisgebühr beträgt ca. 5 €, die Rezeptgebühr in der Apotheke liegt bei maximal ebenfalls etwa 5 € pro Medikament. Was darüber hinaus geht, übernimmt die Kasse. Außerdem kann man hier viele Medikamente rezeptfrei erhalten, die in Europa rezeptpflichtig sind.

Für bestimmte Behandlungen (z.B. Röntgen, Zahn ziehen etc.) fallen nach Tabelle jeweils eine bestimmte Anzahl von "Ordenes" an. Eine Auslandskrankenversicherung für 90 Tage gibt es für ca. 500 Pesos (ca. 16 Euro), bei einer kompletten Abdeckung bis 10.000 USD! Diese drei Monate kann man auch auf mehrere Reisen verteilen. Wer sich länger im Ausland aufhalten will, muß die Gebühr nochmal zahlen. (D.h. wer z.B. den Sommer in Deutschland verbringen will, muß deswegen nicht seine deutsche KV weiter bezahlen und ist trotzdem versichert.)

Das öffentliche Gesundheitswesen ("Salud Pública") ist kostenlos, aber davon sollte man sich nach Möglichkeit fern halten, da die staatlichen Kliniken leider wegen Geldmangel schlecht ausgestattet sind und das medizinische Personal schlecht bezahlt wird, was eine entsprechend geringe Motivation zur Folge hat.

Empfehlenswerte Mutualistas sind z.B.:

  • Medica Uruguaya, Dank einer effizienten Geschäftspolitik und guter medizinischer Dienstleistungen mittlerweise die größte private uruguayische Mutualista, mit rund 300.000 Versicherten.
  • Asociación Española, die älteste und eine der größten privaten Mutualistas in Uruguay, ebenfalls empfehlenswert.
  • CASMU, die Mutualista des Verbandes der Ärzte und Gesundheitsarbeiter und ebenfalls eine der größten Uruguays.
  • Hospital Británico (British Hospital), gilt vielen als die beste Klinik Uruguays, mit modernsten Geräten ausgestattet. Sollten Sie sich in Montevideo niederlassen, ist das "British" möglicherweise die richtige Wahl für Sie.
  • IMPASA, eine Mutualista für betuchte Leute.
  • Circulo Católico
  • Hospital Evangélico

CASMU und die Asociación Española gibt es fast im ganzen Land, die übrigen sind vorwiegend bzw. ausschließlich in Montevideo vertreten. Im Landesinneren gibt es ortsansässige Mutualistas.

Sie sollten sich auf jeden Fall gut informieren und Leistungs- / Preisvergleiche anstellen, bevor Sie irgendwo Mitglied werden. Die oben angegebenen Tarife sind Richtwerte, wobei es von Mutualista zu Mutualista Unterschiede gibt.


Weitere Beiträge zu den Themen "Auswandern / Einwandern" und "Leben in Uruguay" in diesem Magazin:

 

Frage von robless, Juni 2009:

Hallo,

ich werde im Oktober nach Uruguay auswandern. Die ersten ein bis zwei Monate will ich dort intensiv spanisch lernen und im Anschluss mir dort Arbeit suchen.
Nun stellt sich für mich die Frage, wie ich mich für die Zeit, in der ich nicht arbeite krankenversichern soll und was es für Möglichkeiten gibt, wenn man in Uruguay arbeitet.
Was für ein Krankenversicherungssystem gibt es in Uruguay? Gibt es dort eine versicherungspflicht? Gibt es dort gesetzliche und private Versicherungen?

Gruß

Rob 

Antwort von =MaBu=, Juni 2009:

Hallo Rob,

es gibt hier die staatliche und kostenlose Gesundheitsversorgung ("Salud Pública") sowie medizinische Privatunternehmen ("Mutualistas"), die ich nicht "Krankenversicherungen" nennen will, weil sie etwas Anderes und mehr sind als das. (Das System ist ähnlich wie in Spanien.)

Von der "Salud Pública" sollte man sich so fern wie möglich halten. Es mag hier zwar guter Wille vorhanden sein, aber es fehlt hinten und vorne an Geld und Ressourcen. Das medizinische Personal wird sehr schlecht bezahlt und ist dementsprechend schlecht motiviert. Die öffentlichen Kliniken erinnern mehr an Notlazarette als an moderne Krankenhäuser. Mit der Information, daß in der wichtigsten Klinik von "Salud Pública", der Universitätsklinik "Hospital de Clínicas" zerbrochene Fensterscheiben monate- oder jahrelang nicht ersetzt werden, wie jeder sehen kann, der auf der Avenida Italia daran vorbei fährt, ist schon alles gesagt in bezug auf den Zustand des öffentlichen Gesundheitswesens.

Die guten privaten "Mutualistas" sind eine völlig andere Welt: modern, medizinisch auf dem neuesten Stand und dennoch bezahlbar. Für rund 40 Euro pro Monat kann man sich hier versichern lassen, Notfallversicherung inklusive. Ärztlich angeordnete Klinikaufenthalte und Operationen sind zu 100% abgedeckt. Wenn man Arztbesuche macht, muß man eine Praxisgebühr von rund 5 Euro bezahlen (in manchen Mutualistas auch gar nichts), bei Überweisungen zu einem Facharzt ein wenig mehr. Verschriebene Medikamente bekommt man gegen eine Rezeptgebühr von ebenfalls ca. 5 Euro. Den 'Rest' übernimmt die Mutualista.

Man kann sich privat bei der Mutualista seiner Wahl versichern, und auch wenn man irgendwo arbeitet. (In diesem Fall muß die Firma einen Teil der Beiträge übernehmen.)

Merke: Man hat hier keinen Hausarzt, sondern eine Mutualista. Wenn man einen Doktor konsultieren will, geht man in die nächstgelegene "Policlínica" seiner Mutualista (oder in die "Policlínica" seiner Wahl), wo die von der Mutualista unter Vertrag gehaltenen Ärzte ihre Sprechstunden abhalten (siehe Aushänge). Wenn man während der Sprechstunden seines Wunsch-Doktors hingeht, bekommt man es mit diesem zu tun, und ansonsten halt mit dem Arzt oder der Ärztin, der/die gerade Dienst schiebt.

Man kann auch entsprechende Termine machen. Und man kann sich natürlich auch die private Telefonnummer seines Wunscharztes oder Ärztin geben lassen. Dann bekommt man sozusagen durch die Hintertür doch noch so etwas wie einen Hausarzt. Diese Dienstleistungen werden dann aber natürlich privat abgerechnet und sind nicht durch die Monatsbeiträge für die Mutualista gedeckt.

Bei Notfällen kommen die Doctores und/oder Notfallsanitäter der Mutualistas natürlich auch in's Haus.

Ich habe mit Ärzten jeder Couleur Gott sei Dank nur wenig Erfahrung - und ich hoffe, daß das auch so bleibt!

Frage von robless, Juni 2009:

Hola Manfred,

danke für deine Erläuterungen. Nun habe ich einen guten Überblick über das uruguayische Gesundheitssystem.
Wenn ich mich bei einer Mutualista versichern lasse, bin ich denn dann auch im Ausland versichert? Also bin ich beispielsweise wenn ich als Urlauber in Deutschland bin dann auch Krankenversichert, kann dort zum Arzt gehen und kann die Kosten mit der Mutualista abrechnen?

Saludos

Rob 

Antwort von =MaBu=, Juni 2009:

Hallo Rob,

wenn Du als Mitglied einer uruguayischen Mutualista in's Ausland reist, mußt Du bei Deiner Mutualista für die entsprechende Reise eine Auslands-KV beantragen.


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